Jeff Beck - Performing This Week... Live At Ronnie Scoots - Cover
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Jeff Beck Performing This Week... Live At Ronnie Scoots


  • Label: Eagle Rock/EDEL
  • Laufzeit: 155 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Die besten Momente haben die Mitschnitte aus dem Ronnie Scott´s, wenn kurz Plant und Page als stille Beobachter im Publikum erhascht werden.

Über eine langweilige Vergangenheit kann sich Jeff Beck keinesfalls beschweren. Anfangs nach dem Ausstieg von Eric Clapton, der zu den Bluesbreakers und dann zu Cream wechselte, bei den Yardbirds untergekommen, heuerte der 64-Jährige bei so einigen berühmten Bands an, aus denen nicht selten internationale Stars entstiegen sind. Im Vergleich zu Jimmy Page (Led Zeppelin) oder Ron Wood (Rolling Stones) gelang Beck aber weder solo noch zusammen in einer Truppe der große Durchbruch, weswegen er bis heute als von Kritikern und Musikerkollegen geachteter aber nicht allseits bekannter Gitarrist sein Dasein fristet. Das Leben ist eben manchmal ganz schön grausam.

Um wieder einer jüngeren Zielgruppe bekannt zu werden und der alten erhalten zu bleiben hat er sich 2007 für einige Konzerte im Ronnie Scott´s Club in London einquartiert, den Drummer Vinnie Colaiuta, Keyboarder Jason Rebello, sowie die junge Bassspielerin Tal Wilkenfeld verpflichtet und gleich ein paar prominente Freunde mitgebracht. Bereits als CD im November des letzten Jahres veröffentlicht, gibt es nun die Variante in Bild und Ton, die allerdings besser im Giftschrank verschwunden wäre. Grund: Das Bild oder besser gesagt die gesamte Stimmung, die auf der Bühne von den einzelnen Protagonisten vermittelt wird. Ständig fängt die Kamera Zahnmodel Wilkenfeld ein, die einem nach drei Einstellungen schon dermaßen stark auf die Nerven geht, dass die hingebungsvolle Arbeit von Beck völlig vergessen wird und man am liebsten die DVD aus dem Player befördern will.

Abgesehen von den dauergrinsenden „Wir haben uns alle lieb“-Bezeugungen, die sogar so weit gehen, dass der gebürtige Engländer vollkommen lächerlich bei einem Solo der 24-Jährigen ehrfurchtsvoll die Hände in die Höhe reißt und sie wie eine Bassgöttin huldigt (was natürlich erneut mit einem dicken, breiten Lächeln goutiert wird), ist es ohnehin etwas mühsam dem 2½-stündigen Treiben aufmerksam zu folgen, da ¾ davon nichts gesprochen wird und zum wiederholten Mal Beck auf die Finger zu schauen, wenn kurz danach irgendjemand ob der grandiosen Gitarrenspielchen völlig überrascht in die Kamera blinzelt, ist etwas enervierend.

Die besten Momente haben die Mitschnitte aus dem Ronnie Scott´s (aus den verschiedenen Konzertabenden wurden immer die besten Aufnahmen verwendet), wenn kurz Plant und Page als stille Beobachter im Publikum erhascht werden oder sich Eric Clapton ein furioses Duell mit Beck liefert. Die ebenfalls vorhandenen Gastauftritte von Joss Stone und Imogen Heap tragen durch deren dominante Stimmgebung jedoch eher die eigene Handschrift der beiden Sängerinnen, denn „nur“ kurz für ein, zwei Lieder vorbeigeschaut zu haben um den Abend nicht komplett instrumental werden zu lassen. Daher ist allen Besitzern der bereits erschienen CD davon abzuraten sich das DVD-Pendant zuzulegen (und stattdessen zur CD zu greifen), da das zusätzlich enthaltene, 15 minütige Interview mit Beck & Band, die (zugegeben) interessanten Fingerübungen von Jeff, sowie der makellose Ton (wahlweise DTS, Dolby Digital 5.1 oder Dolby Digital Stereo) und das kontrastreiche, sowie scharfe Bild im 16:9-Format nicht darüber hinwegtäuschen können, einer Real-Verfilmung der Glücksbärchis beizuwohnen.

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