Aerosmith - Music From Another Dimension! - Cover
Große Ansicht

Aerosmith Music From Another Dimension!


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 68 Minuten
Artikel teilen:
4/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Viel simple Rockmusik ohne jeglichen außergalaktischen Charakter.

Die Luftschmiede feiern ihr Comeback und der Titel des Albums kann eigentlich nur auf die lange Wartezeit hinweisen. Die Musik muss von einem anderen Planeten kommen, da die Schallwellen ganze 11 Jahre unterwegs waren, um auf der Erde anzukommen. Nach einem Blues-Coveralbum „Honkin‘ On Bobo“ und geschätzten zwanzig verschiedenen Best Of- und Live-Alben folgt nun doch ein richtiges Album. Dabei sah alles nach einer großen Seifenblase aus, denn Sänger Steven Tyler war größtenteils damit beschäftigt, von den Bühnen dieser Welt zu fallen und sich ständig etwas zu brechen. In der Zwischenzeit folgten Entzüge und natürlich der überaus wichtige Arbeitsplatz in der Jury des DSDS-Vorbilds „American Idol“. Selbst Gitarrist Joe Perry wollte seinen Langzeit-Bandkollegen loswerden, damit es mit Aerosmith weitergeht, wobei es sich aber wahrscheinlich um geschickt platzierte PR-Maßnahmen handelt, um die Medienpräsenz der Band zu steigern. Alles Geschwätz von gestern, unser Interesse gehört „Music From Another Dimension“.

Nach dem ersten Durchlauf des Albums kommt die Meinung auf, dass die neue Musik nicht so weichgespült ist wie „Just Push Play“. Besonders die erste Hälfte des Albums ist abwechslungsreich. Hier ist definitiv mehr Rockmusik drin als zuletzt. Nach den nächsten Durchläufen schleicht sich immer mehr die Überzeugung ein, dass es aber nicht der Hardrock von früher ist und die Kompositionen weder besonders innovativ noch außerordentlich durchdacht sind. „Out Go The Lights“, eine der besseren Nummern des Albums, mit nettem Mundharmonika-Solo, Frauen-Hintergrundchören und einem richtigen Southernrock-Flair, hört eigentlich nach vier Minuten auf, nur um dann künstlich um drei weitere Minuten aufgepustet zu werden - mit lediglich warmer Luft, versteht sich.

Das Problem ist, dass Aerosmith versuchen, es allen recht zu machen. Ein Album zu schmieden, das all ihre Facetten beinhaltet und wie eine Best Of-Zusammenstellung sein soll. Dabei wird alle paar Lieder eine Ballade untergejubelt, die einen Hit markieren soll. Das haben sie in den 90ern oft erfolgreich geschafft. Diesmal wirken die Songs jedoch wie ein krampfhafter Versuch, an diese Zeiten anzuknüpfen, ohne wirklich überzeugende Melodien und mit spärlichen, abgelutschten Kompositionen. Das Country-angehauchte „Can’t Stop Loving You“ mit der American Idol-Gewinnerin Carrie Underwood geht noch in Ordnung, den Tiefpunkt markiert das abschließende „Another Last Goodbye” mit seiner schmalzigen und kitschigen Art.

Überhaupt wirken einige Songs wie B-Seiten von früheren Alben. „Beautiful“ könnte von „Just Push Play“ stammen und einer der besten Songs des Albums, „Legendary Child“, ist ganz offensichtlich ein Stück aus der „Get A Grip“-Zeit. Sogar textliche (Standard-)Zitate wie „sticks and stones may break your bones“ sind zu hören. Das alles befindet sich noch auf der ersten, der besseren Hälfte des Albums. Auf der zweiten sind als Krönung zwei Songs von und mit Joe Perry am Mikrofon, die C-Seiten Qualität erreichen. Steven Tyler rettet viel zu oft mit seinem Gesang das phasenweise öde Songwriting. Was den Jungs aus Boston aber nicht vorgeworfen werden kann, ist, dass sie keinen Spaß beim Musizieren hätten. Außergalaktisch ist auf diesem Album aber rein gar nichts!

Anspieltipps:

  • Legendary Child
  • Out Go The Lights
  • Street Jesus

Neue Kritiken im Genre „Rock“
7.5/10

Servant Of The Mind
  • 2021    
Diskutiere über „Aerosmith“
comments powered by Disqus