Herrenmagazin - Sippenhaft - Cover
Große Ansicht

Herrenmagazin Sippenhaft


  • Label: Grand Hotel Van Cleef
  • Laufzeit: 40 Minuten
Artikel teilen:
5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenig Neues, wenig Altes. Viel Luft nach oben.

„Zu dem Zeitpunkt wo sich unsere Blicke treffen / Wirft die Lüge ihre Schatten weit voraus / Doch ergebe ich mich dem Funkeln deiner Augen.“ Wollen Herrenmagazin die Wahrheit wirklich hinter dem Berg halten? Denn es ist eine bittere Wahrheit. Nein, denn sonst hätten die Hamburger nicht Thomas Vinterbergs Familiendrama „Das Fest“ aus dem Jahr 1998 gewürdigt. Die Band hat sich fürs neue Album offensichtlich von der dänischen Produktion inspirieren lassen. Einerseits von der Thematik und andererseits ist das Video der Single „Ehrenwort“ aufwendig dem Film nachempfunden. Im Stile des Dogma 95 zeichnet Vinterberg das Bild einer Familie, die auf einer Zusammenkunft mit unangenehmen, familiären Wahrheiten konfrontiert wird.

Nicht ganz unbegründet also auch der Titel des aktuellen Albums. Der Film wirft viele Fragen auf, denen sich die Band nähert und schließlich die bis heute schon zig-fach durchgekaute Gesellschaftskritik ins familiäre Umfeld verlagert: „Wo wurde ich da nur hineingeboren?“. Aber trotz dass Herrenmagazin der Musikwelt nun schon seit vier Alben erhalten sind, verharren sie dieses Mal in der Sachlichkeit ernster Themen. Das hat dieses Jahr zum Beispiel selbst ein Neuling wie Joris mit seinem Debüt „Hoffnungslos Hoffnungsvoll“ besser hinbekommen (die Texte mal außen vor gelassen). Denn bis auf „Wir bluten aus“, „Halbes Herz“ und wenige weitere Stellen bleibt „Sippenhaft“ ein von Langsamkeit getriebenes Werk, dem es nicht gelingt, eine nötige Dringlichkeit aufzubringen. Kaum etwas ist von den wachrüttelnden und druckvollen Gitarren des Debüts geblieben.

Es geht sehr sachlich zu. Eine Sachlichkeit, die sowohl in den Texten, als auch in der Musik vorherrscht. Sänger Deniz Jaspersen singt plötzlich immer wieder sehr gehemmt: Kurze Aussagen, Feststellungen, Fragen. Die Musik verläuft ebenso und gestattet kaum mal einen Ausbruch. Beste Beispiele dafür sind „Reißt mich zusammen“ und „Alles so bekannt“, welches immerhin im Refrain das Tempo anzieht. Das gipfelt in der puren Langeweile des Titelstücks. Kaum ein Lied hat die Chance, sich mal zu entfalten. Dabei wäre das beim Titelstück oder beim trotzdem noch schönen, mit Piano begleiteten „Käferlicht“ passend gewesen. Aber leider verwehren beide Lieder ein Finale, schleichen zum Ende und treffen somit den Gesamteindruck des Albums ganz gut.

Anspieltipps:

  • Halbes Herz
  • Wir bluten aus
  • Käferlicht

Neue Kritiken im Genre „Indie-Pop“
7.5/10

Mit Den Zehen Am Abgrund
  • 2019