Jeff Buckley - You & I - Cover
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Jeff Buckley You & I


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 53 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
8.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Kein siebtes Weltwunder, sondern einfach nur gutes Archivmaterial, das jetzt öffentlich gemacht wurde.

Die Geschichte des kalifornischen Sängers und Songschreibers Jeff Buckley gehört zu den tragischen Mythen der Musikgeschichte. Das begnadete Talent hatte zu Lebzeiten mit „Grace“ (08/1994) nur einen einzigen Studio-Longplayer auf den Markt gebracht. Denn noch bevor er sein zweites Album mit dem Arbeitstitel „My Sweetheart The Drunk“ veröffentlichen konnte, starb er im Alter von nur 30 Jahren. Er ertrank am 29. Mai 1997 im Wolf River in Memphis, Tennessee. Zu diesem Zeitpunkt hatte er weder Drogen noch Alkohol in seinem Körper. Selbstmord wurde ebenfalls ausgeschlossen. Somit war es einfach eine riesige Tragödie, dass Buckley an diesem Tag – wohlbemerkt völlig bekleidet – beim Schwimmen ertrank.

Seitdem macht das Columbia-Label mit posthumen Veröffentlichungen, die sich aus den Hinterlassenschaften des Amerikaners zusammensetzen, gutes Geld. Und so verrückt es auch klingen mag: Sogar nach fast zwei Dekaden findet die Plattenfirma immer wieder unveröffentlichtes Material in ihren Archiven, das Jeff Buckley zwischen 1993 und 1997 aufgenommen hat. Daraus entstehen dann brandneue Alben wie „You And I“, das nun als eine Sammlung von Coverversionen plus zwei eigenen Kompositionen in bisher nicht gehörten Versionen erscheint.

Da jeder interessierte Musikfan weiß, was Buckley aus dem Leonard-Cohen-Klassiker „Halleluja“ gezaubert hat, wird man bei dem Begriff Coverversion natürlich hellhörig. Denn wenn es jemand verstanden hat, Stücke so nachzuempfinden, dass sie besser als das Original klingen, dann Jeff Buckley. Deshalb ist die Erwartung hoch, wenn Buckley nun plötzlich in Songs wie „Just like a woman“ (Bob Dylan), „Everyday people“ (Sly & The Family Stone), „The boy with the thorn in his side“ und „I know it’s over“ (The Smiths) oder auch „Night flight“ (Led Zeppelin) zu hören ist.

Zu hören bekommen wir zehn intime Akustik-Aufnahmen aus dem Jahr 1993, die auf gehobenem Demo-Niveau nichts für Klangfetischisten sind. Doch hier geht es nicht um High-End-Material, sondern um die außerordentliche Art, wie Jeff Buckley mit dem Songmaterial umgeht. Neben frühen Versionen von „Grace“ und „Dream of you and I“ kann der Hörer Jeff Buckley dabei begleiten, wie er förmlich in die fremden Lieder hineinkriecht, improvisiert, sie aufsaugt und in seiner typischen Art wiedergibt. Das alles ist in der Tat spannend anzuhören und mit viel Herzblut ausgestattet, aber auch kein siebtes Weltwunder, sondern einfach nur gutes Archivmaterial, das jetzt öffentlich gemacht wurde.

Anspieltipps:

  • Night flight
  • I know it’s over
  • Just like a woman
  • Poor boy long way from home
  • The boy with the thorn in his side
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