Jeff Beck - Loud Hailer - Cover
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Jeff Beck Loud Hailer


  • Label: Rhino/WEA
  • Laufzeit: 45 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach dem völlig missratenen „Emotion & Commotion“-Album aus dem Jahr 2010, ist „Loud Hailer“ eine tolle Kehrtwende, die so überzeugend nicht zu erwarten war.

Mit nunmehr 72 Jahren auf dem Buckel, auch wenn der gute Herr auf aktuellen Fotos längst nicht so alt aussieht, gehört die britische Gitarren-Legende Jeff Beck (Stichwort: The Yardbirds) einer Musikergeneration an, bei der die Fans langsam aber sicher damit rechnen müssen, dass diese in den verdienten Ruhestand geht (siehe zum Beispiel auch: Eric Clapton). Doch noch ist es nicht so weit. Denn Jeff Beck hat dringend etwas zur Lage der Welt zu sagen und schnallte sich dafür auf seinem ersten Studioalbum seit sechs Jahren bildlich gesprochen ein Megaphon um („Loud Hailer“), damit er all die Dinge kritisch ansprechen kann, die ihn in der letzten Zeit umgetrieben haben.

Die Aufnahmen fanden zusammen mit Jeff Becks musikalischen Neueroberungen Rosie Bones (Gesang) und Carmen Vanderberg (Gitarre) statt, die zusammen die Band Bones bilden. Dazu gesellten sich Giovanni Pallotti (Bass) und Davide Sollazzi (Schlagzeug). Produziert hat Filippo Cimatti, der zur Live-Besetzung von Bones gehört. Es sieht also so aus, als hätte sich Mr. Beck ganz bewusst für junges Blut in seinem musikalischen Umfeld entschieden. Und in der Tat scheinen ihm die Frischlinge Feuer unterm Hintern gemacht zu haben. Denn aus den insgesamt elf Stücken ragen heuer auch solche hervor, auf denen nicht der stets selbstverliebt wirkende Gitarrengott im Mittelpunkt steht.

Mit dem eröffnenden „The revolution will be televised“ holen Beck und Band den Hörer mit polternden Drums, energischem Gitarrenspiel und verzerrten Vocals ab. Genau das ist dann auch die Marschrichtung für die kommende Dreiviertelstunde, in der sich Rosie Bones als echte Rockröhre herausstellt, die so richtig Alarm macht („Thugs club“) und in Stücken mit fett groovendem Hard- („Right now“) und coolem Funkrock („O.I.L.) auf sich aufmerksam macht. Doch auch der Großmeister der Sechssaitigen bekommt genügend Freiraum, um seinem mitunter völlig aberwitzigen Gitarrenspiel freien Lauf zu lassen („Live in the dark“).

Eher selten stellt Jeff Beck seine Gitarrenarbeit etwas in den Hintergrund, wie in den Balladen „Scared for the children“, „Shame“ und „Shrine“, wobei er freilich auch hier mit einem brillanten Verständnis für Atmosphäre präsent ist und seine Akkorde wie zarte Sonnenstrahlen durch den Raum schweben lässt. Damit legt der Engländer nach dem völlig missratenen „Emotion & Commotion“-Album aus dem Jahr 2010 eine tolle Kehrtwende hin, die so überzeugend nicht zu erwarten war.

Anspieltipps:

  • Shame
  • Shrine
  • Right now
  • Live in the dark
  • Scared for the children

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