Feist - Pleasure - Cover
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Feist Pleasure


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 53 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

Feist kann mittlerweile künstlerisch schaffen, was sie will. Diese Freiheit nutzt die Kanadierin aus.

Ganze sechs Jahre ist ihr letztes Album „Metals“ mittlerweile schon alt, nun meldet sich Leslie Feist mit dem langersehnten „Pleasure“ zurück. In der Zwischenzeit nahm die Kanadierin eine Split-EP mit Mastodon (!!!) auf, auf der gegenseitig ein Song gecovert wurde, nahm einige Dokumentationen oder Gastauftritte in Angriff, hat aber letztlich doch noch Zeit gefunden, ein neues Album zu schreiben. Karrieretechnisch hat die 41-jährige sowieso fast alles mitgemacht, wenn auch eher im postitiven Sinne. Große Mainstreamhits, erfolgreiche Album und Kritikerliebling. Von einer solchen Ausgangsposition geht aber natürlich auch eine Menge Druck aus.

Dem stellt sich Leslie Feist recht entspannt. Der Titelsong eröffnet das Album recht verschroben. Verzerrte Gitarren wechseln mit ganz ruhigen Momenten, um am Ende fast in eine Art College-Rock-Song zu münden. Gesanglich macht sie was sie will. Von avantgardistisch, gelangweilt wirkendem Sprechgesang zu poppigen Momenten mit Teenie-Gekicher zeigt sich schon in diesem ersten Song ihre große Bandbreite und erinnert leicht an PJ Harvey. Im folgenden „I Wish I Didn’t Miss You“ macht sie damit genau weiter. Vor Akustikgitarren und leichten Effektspielereien wechselt ihre Stimme von einer sehr verletztlich wirkenden Klarheit zu gelegentlichen Tiefen, die eine besondere Coolness ausstrahlen. Das Grundgerausche im Hintergrund, wie die ganze Lo-Fi-Produktion, erinnert hier sehr an Bruce Springsteens „Nebraska“.

Leicht bluesig-folkig angehaucht ertönt „Lost Dreams“, welches sich immer weiter aufbaut und ein aufwühlendes Gefühl vermittelt. Hier wird allerdings deutlich, dass einige der Songs doch zu lang sind. Es passiert oft zu wenig, um knapp fünf Minuten zu füllen. „Any Party“ kommt als Mischung aus den Beatles und Tom Petty daher, wenn auch deutlich melancholischer und vertrackter. Der Song endet in einer rührseligen Kneipensingerei. „A Man Is Not His Song“ kann dagegen außer mit einem überraschenden Mastodon-Sample zum Schluss eher nicht überzeugen.

Jarvis Cocker gibt sich auf „Century“ als lässiger Erzähler die Ehre und nach dem sehr ruhigen „Baby Be Simple“ gibt es nochmal eine richtige Überraschung. „I’m Not Running Away“ ist eine reinrassige Bluesballade samt Gitarrenlicks und melancholischem Text übers verlassen werden. „Young Up“ bedient sich dagegen beim klassischen Soul. Orgelteppiche und ein führender Bass lassen auch diesen Song überzeugen.

„Pleasure“ beginnt stark und endet stark. In der Mitte haben sich einige Längen eingeschlichen, allerdings werden einige Songs ihre Wirkung auch erst später entfalten. Leslie Feist hat sich einen Status erarbeitet, in dem sie machen kann, was sie will und das tut sie mit Vergnügen. Lo-Fi-Produktion, verschrobener Opener, Blues und Soul am Ende. Dazwischen noch einige Balladen, die auch die Fans der Mainstreamhits nicht veschrecken sollten.

Anspieltipps:

  • I Wish I Didn’t Miss You
  • Any Party
  • I’m Not Running Away
  • Young Up

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