Bushido - Sonny Black II - Cover
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Bushido Sonny Black II


  • Label: Igroove/SOULFOOD
  • Laufzeit: 50 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach vollmundigen Ankündigungen und diversen Verschiebungen liegt nun das 14. Studioalbum von Bushido endlich vor.

Anis Mohamed Youssef Ferchichi alias Bushido (43) hat sich zum Problemfall für die deutsche Rapszene entwickelt. Musikalisch und kreativ war er mit Longplayern wie „Mythos“ (09/2018) und „Black Friday“ (06/2017) schon längst in einer Sackgasse angekommen, doch mit dem quasi öffentlich ausgetragenen Gerichtsprozess gegen seinen ehemaligen „Manager“ Arafat Abou-Chaker (45), bei dem Bushido Monate lang als Zeuge und Nebenkläger auftrat, war der Gangster-Rapper endgültig in einer Parallelwelt angelangt, von der die Fans und „die Street“ im Prinzip nichts wissen wollen. Das macht es umso schwieriger, nun wieder den harten Rapper von der Straße zu mimen, der sich privat von der Polizei beschützen lässt und damit all das konterkariert, worüber er (zumindest früher) gerappt hat. Bushido ist eben nur eine Kunstfigur. Das wird immer deutlicher und muss so langsam auch in die Köpfe der alten Fans hinein.

Nach vollmundigen Ankündigungen und diversen Terminverschiebungen liegt nun das 14. Studioalbum von Bushido endlich vor. In physischer Form allerdings einzig und allein über Amazon in Form eines teuren Box-Sets. Warum? Weil Umsatz für Bushido über einen hohen Platz in den Charts geht, der zumeist nach einer Woche schon wieder Schall und Rauch ist. Der Verkauf der 20.000 Box-Sets á 60 Euro ist dagegen eine ganz andere Dimension und garantiert rentabel. Denn der zentrale Inhalt, neben dem „Sonny Black II“-Album, besteht lediglich aus einem bedruckten One-Size-Only-Hoodie, der in Bezug auf Stoff und Druckqualität absolut grenzwertig daherkommt. Mal abwarten, wie viele Vorbesteller die schwarze Pappkiste enttäuscht wieder an Amazon zurückschicken.

Damit die 20.000 Box-Sets zeitnah abgesetzt werden, dreht Bushido schon seit Wochen das große Promo-Rad. Schließlich benötigt der Gute jeden Monat einen ganz schön dicken Batzen Kohle, um seinen Apparat aus Business und Familie finanziell am Laufen zu halten. So flimmerte schon Wochen vor der „Sonny Black II“-Veröffentlichung die durchaus spannende Amazon-Prime-Dokumentation „Unzensiert: Bushidos Wahrheit“ über die Bildschirme, während die für April 2022 angekündigte Biographie namens „Anis“ das richtigstellen soll, was sich das 2008er Buch „Bushido“, aus dem später der Film „Zeiten ändern dich“ (2010) hervorging, kunstvoll zusammenfantasierte. Darüber hinaus ließ Bushido seinem Lieblingsfeind Fler (39) verbieten, dass dieser sein neues Album „Carlo Cokxxx Nutten“ nennen darf, da die Markenrechte bei Bushido liegen. Eine bessere Promo hätte Fler alias Frank White für das in „Cancel Culture Nightmare“ umbenannte Werk (VÖ: Januar 2022) kaum bekommen können.

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Der mit 50 Minuten Spielzeit erstaunlich kurze Nachfolger des als jugendgefährdend indizierten Werks aus dem Jahr 2014 bietet insgesamt 16 Tracks auf, die sich mit einem sieben Jahre alten Album messen lassen müssen, das mit Morddrohungen gespickt war und in alle Richtungen austeilte. Homophobisch, beleidigend, Pädophilie unterstellend. Zu viel für die Bundesprüfstelle. Dennoch soll „Sonny Black II“ irgendwie daran anknüpfen, obwohl solche Szenarien gewiss nicht mehr in das Leben des 43-Jährigen passen. Deshalb muss Bushido zusammen mit Saad und Animus – dem traurigen Rest der ersguterjunge-Dynastie – auf „Sonny Black II“ eine Rolle spielen, die ihm spätestens nach der Amazon-Doku keiner mehr abnimmt.

Dazu bietet Bushido nicht nur ein vertrautes Klangbild auf, das sich in 20 Jahren nie verändert hat, sondern auch eine Ansammlung von Texten und Reimen, die auffallend oft in der Vergangenheit leben und die heutige Rap-Kid-Generation vor Rätsel stellen könnte. Überhaupt stellt sich die Frage, wer sich von „Sonny Black II“ angesprochen fühlen soll. Vermutlich nur die Hardcore-Fans der frühen Alben, die die notwendige Portion Nostalgie mitbringen dürften, um den aus der Zeit gefallenen Stil Bushidos auch 2021 abzufeiern. Dieser hat für die Produktion der Tracks zwar einen soliden Aufwand geleistet, aber definitiv auch ein Glaubwürdigkeitsproblem. Vielleicht sollte Bushido einfach mal versuchen, auch auf seinen Alben er selbst zu sein und keine Rolle als Gangster zu spielen. So wie im richtigen Leben. Stichwort: Authentizität. Der Song „Familie“ ist diesbezüglich ein Anfang. So, und nur so, kann es in Zukunft weitergehen.

Anspieltipps:

  • Familie
  • H.M.P. 2
  • 90er Berlin
  • Giftgrünes B
  • Nie ein Rapper 3
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