Santiano - Wenn Die Kälte Kommt  - Cover
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Santiano Wenn Die Kälte Kommt


  • Label: We Love Music/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 54 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
2.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Auf Santianos fünftem Studioalbum steht die Beziehung zwischen Mensch und Meer im Vordergrund. Also eigentlich wie immer.

In nicht einmal zehn Jahren haben Santiano vier Studio und ebenso viele Live-Alben auf den Markt gebracht und damit eine Dauerpräsenz an den Tag gelegt, die fast schon Angst macht, da der Erfolg in dieser Zeit nie abgerissen ist. So liegen die Verkaufszahlen neuer Longplayer immer im sechsstelligen Bereich und der erste Platz in den deutschen Album-Charts gehört zur Normalität. Mehr als vier Millionen verkaufte Tonträger sind dabei bis heute zusammengekommen und der musikalische Mix aus Seefahrerromantik, Schlager- und Folk-Musik längst etabliert.

Nachdem bisher in jedem Jahr ein neues Santiano-Werk in die Läden gebracht wurde, bremste die Corona-Pandemie auch die Pläne von Hans-Timm Hinrichsen, Axel Stosberg, Björn Both, Andreas Fahnert und Peter Sage aus. Konzerte wurden verschoben, die Albumproduktion verzögerte sich und die Veröffentlichung des geplanten Konzeptwerks „Wenn die Kälte kommt“ wurde mit einem Termin im Herbst 2021 ebenfalls neu angesetzt. Dieser ist nun gekommen und die 14 neuen Songs, die wiederum in Zusammenarbeit mit Elephant Music entstanden sind und im Großen und Ganzen die faszinierende Beziehung zwischen „Mensch und Meer“ in den Mittelpunkt stellen, können in zig verschiedenen Konfigurationen auf die Fans losgelassen werden.

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Um es gleich vorweg zu sagen: Überraschungen sollten von „Wenn die Kälte kommt“ nicht erwartet werden, denn Santiano kleiden ihr Konzeptalbum in exakt den Sound, den die Fans auch von den vorherigen fünf Longplayern kennen. So zelebrieren die Schleswig-Holsteiner in typischer Art und Weise ihren schlagerartigen Seemanns-Folk („Heave Ho“), der wie gewohnt mit poppigen Melodien („Nichts als Horizonte“), dezent rockigen Parts („Graubart“, „Was du liebst“) und Orchesterunterstützung („Wenn die Kälte kommt“) garniert wird. Dabei fällt auf, dass die Stücke überraschenderweise nicht in eine Bombast-Produktion eingebettet wurden, sondern fast schon knöchern und rau klingen. So passt wenigstens der Sound zu dem vorgegebenen Konzept. Wirklich verwunderlich ist es allerdings, wenn Santiano auf Plattdeutsch singen und das Ergebnis mal so gar nicht authentisch klingt („An’t Enn vun de Weltklingt“). Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

So bleibt auch heuer alles beim Alten: Für ein paar Lieder am Stück wirkt Santianos Seemannsgarn tatsächlich gut hörbar, doch auf Albumlänge wiederholen sich die formelhaften Strukturen und die trivialen Texte einfach zu oft, um wirklich substanziell zu sein. Erstaunlich, dass dies beim Publikum auch nach Jahren so gut ankommt. Aber die deutsche Schlagerwelt war schon immer ein Paralleluniversum, das der Hörer nicht zwingend durchschauen muss. Denn nur in diesem Genre ist es völlig normal, dass die Kompositionen lediglich Stangenware aus den immergleichen Quellen darstellen, die für die jeweiligen Interpreten individuell arrangiert werden. So ist es am Ende mehr oder weniger wurscht, ob ein Stück wie – sagen wir mal – „Ein Leben lang“ von Santiano, Oonagh, Ben Zucker, Helene Fischer, Roland Kaiser oder Michelle gesungen wird. Kommt eh alles aus den gleichen Laboren.

Anspieltipps:

  • Graubart
  • Lange her
  • Nichts als Horizonte
  • Nicht umsonst gelebt
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