Philipp Burger - Kontrollierte Anarchie - Cover
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Philipp Burger Kontrollierte Anarchie


  • Label: Rookies & Kings
  • Laufzeit: 77 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Frei.Wild-Frontmann präsentiert pünktlich zu Weihnachten das Album zu seinem eigenen Leben.

Philipp Burger (40), Frontmann der Band Frei.Wild, schenkt seinen Fans pünktlich zum Weihnachtsfest mit „Kontrollierte Anarchie“ seinen erstens Longplayer als Solokünstler. Na gut, geschenkt bekommen sie ihn nicht wirklich. Vielmehr wird der geneigte Fan überlegt haben, sich das nicht gerade günstige Box-Set unter den Weihnachtsbaum zu legen, in dem ebenso hübsche wie praktische Dinge für jeden Haushalt feilgeboten werden. Unter anderem liegen der Kiste ein Dachdeckerhammer, zwei Blinker-Angelhaken, ein Zimmermannbleistift, ein Zollstock und – jawoll! – zwei Eierbecher bei. Dafür legt der Hardcore-Fan gerne 65 Euro auf den Tisch!

Nachdem Burger schon in der Vergangenheit für diverse andere Acts Songs geschrieben hat und seine Band inzwischen 20 Jahre auf dem Buckel hat, war es nun an der Zeit, sich einen Herzenswunsch zu erfüllen. Schließlich steht die Musikindustrie, so wie wir sie kennen, seit fast zwei Jahren still, sodass Philipp Burger, wie viele andere Künstler auf der Welt auch, die gewonnene Zeit nutzte, um innezuhalten, durchzuatmen und neue, sehr persönliche Stücke zu schreiben, die sich mit seinen Erfolgen, Höhen und Tiefen, Enttäuschungen, Niederlagen, Irrwegen, Schwächen und den daraus gezogenen Lehren befassen. Sprich Songs, die inhaltlich weder zu Frei.Wild, noch zu anderen Künstlern passen würden.

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Mit 20 Songs und 77 Minuten Spielzeit ist „Kontrollierte Anarchie“ eine üppige Song-Sammlung im klassischen Deutsch-Rock-Gewand, die ihre stilistische Nähe zu Frei.Wild zu keiner Zeit verstecken kann. So sind die Tracks grundsätzlich auf Eingängigkeit bedacht („Schwerelos ins Nichts“), mit hymnischen („Unschubladisierbar“, „Es sind doch nur Tränen“) und stadiontauglichen Refrains („Schlechter Kapitän“, „Ach was scheiß drauf“) sowie satten Gitarrenriffs ausgestattet („Kontrollierte Anarchie“, „Ich finde mich“). Damit dürfte Philipp Burger auch solo die meisten Frei.Wild-Fans im Sack haben, die in den vergangenen Monaten mit gleich zwei „Corona Quarantäne Tapes“ (09/ und 10/2020) sowie dem „Wir schaffen Deutsch.Land“-Album (12/2021) äußerst großzügig unterhalten wurden.

Frei nach dem Motto „Lieber zu viel als zu wenig“ setzt „Kontrollierte Anarchie“ diese vermeintliche (Über-)Versorgung mit frischem Liedgut fort. Dieses hinterlässt zumeist einen soliden Eindruck, ohne irgendwelche Innovationen in den Burger/Frei.Wild-Kosmos einzubringen. Wem dies reicht, der wird sich von dem vorliegenden Longplayer gut unterhalten fühlen, der im Vinyl-Zeitalter als Doppelalbum durchgegangen wäre. Doch Hand aufs Herz: Für ein Doppelalbum alter Schule fehlt „Kontrollierte Anarchie“ am Ende die notwendige Dringlichkeit und Schlagkraft.

Anspieltipps:

  • Recordman
  • Unschubladisierbar
  • Schlechter Kapitän
  • Kontrollierte Anarchie
  • Stärker als die Zeit, stärker als die Jahre
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