Manic Street Preachers - The Ultra Vivid Lament - Cover
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Manic Street Preachers The Ultra Vivid Lament


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 45 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Manic Street Preachers dümpeln auch mit diesem Album weiterhin im Mittelmaß herum.

Nach dem leider ziemlich laschen Popalbum „Resistance Is Futile“ (04/2018), das von den Deluxe-Wiederveröffentlichungen der 90er-Jahre-Werke „This Is My Truth Tell Me Yours“ (1998, 12/2018) und „Gold Against The Soul“ (1993, 06/2020) gefolgt wurde, ist es nun an der Zeit für das 14. reguläre Studioalbum im tatsächlich bereits 35. Jahr des Bestehens der Manic Street Preachers. Der Longplayer hört auf den Titel „The Ultra Vivid Lament“ und wurde im Corona-Winter 2020/2021 in den heimischen Gefilden von Rockfield, Monmouthshire und Newport zusammen mit dem langjährigen Stammproduzenten Dave Eringa (The Who, 3 Colours Red, Toploader, The Proclaimers, Kylie Minogue, Idlewild) aufgenommen.

Musikalisch soll „The Ultra Vivid Lament“ von ABBA, R.E.M., Roxy Music bzw. Echo & The Bunnymen inspiriert und vornehmlich am Klavier und nicht wie sonst auf der Gitarre komponiert worden sein, was für eine Rockband eher ungewöhnlich ist. Alles in allem also spannende Voraussetzungen für den neuesten Aufschlag von James Dean Bradfield (Gesang, Gitarre), Nicky Wire (Bass) und Sean Moore (Drums), der mit dem episch-verspielten Opener „Still snowing in Sapporo“ äußerst vielversprechend beginnt und an die besten Momente der Manic Street Preachers anknüpft. Und auch das bereits als Single bekannte Stück „Orwellian“ kann mit seiner opulenten Dramatik durchaus noch überzeugen, bevor die Lage mit „The secret he had missed“ in zunehmend flachere Gewässer abdriftet.

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Auch wenn das Gespür für feine Melodien jederzeit gegenwärtig ist, machen es sich die Waliser in der Folgezeit allzu sehr in eben jenen seichten Gefilden gemütlich und verpassen es dabei, ihren Songs mehr Spannung und Biss abzugewinnen. So mögen die Refrains von „Complicated illusions“ oder auch „Into the waves of love“ zwar ganz gut ins Ohr gehen, doch das musikalische Drumherum ist so dermaßen bedeutungslos und schnulzig instrumentiert, dass selbst überraschende Auftritte wie von Charakterstimme Mark Lanegan in „Black diary entry“ im Niemandsland versumpfen. Spätestens hier muss beim Hörer die Frage aufkommen, wo sich die oben genannten Inspirationsquellen in den dargebotenen Tracks verstecken mögen.

Mit „Happy bored alone“ und „Afterending“ bäumen sich die Manic Street Preachers ein letztes Mal auf und zeigen, dass sie fraglos starke Songs schreiben können. Nur hat bei diesem Album leider die interne Geschmackskontrolle versagt und im gesamten Mittelteil zu viel Musik auf B-Seiten-Niveau zugelassen. So kommt „The Ultra Vivid Lament“ unterm Strich auf gut 50 Prozent Ausschuss, was einfach nicht gesund sein kann, zumal auch eine echte Hitsingle fehlt, die den Karren wenigstens kommerziell aus dem Dreck ziehen könnte. Damit dümpeln die Manic Street Preachers nach „Resistance Is Futile“ weiterhin im Mittelmaß herum und sollten aufpassen, es sich nicht mit ihren alten Fans zu verscherzen.

Anspieltipps:

  • Diapause
  • Orwellian
  • Afterending
  • Happy bored alone
  • Still snowing in Sapporo
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