Roger Taylor - Outsider - Cover
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Roger Taylor Outsider


  • Label: Virgin/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 47 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
7.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Das sechste Soloalbum des Queen-Drummers ist beeinflusst vom Corona-Lockdown.

Mit „Outsider“ veröffentlicht Queen-Schlagzeuger Roger Taylor (72) den mittlerweile sechsten alleinigen Longplayer in seiner 40-jährigen Solokarriere. Dazu kommen noch drei Alben mit der kurzlebigen Band The Cross (1988-1991). Damit ist er das mit Abstand fleißigste Mitglied der verbliebenen Urbesetzung von Queen. Denn John Deacon (70, Bass) trat solo, bis auf eine sehr überschaubare Anzahl an Gastbeiträgen, überhaupt nicht in Erscheinung, während Brian May (74, Gitarre) nach ein paar wenigen Solowerken einsah, dass seiner Musik ohne das geniale Zutun von Freddie Mercury, Taylor und Deacon die alte Band-Magie abging. Somit hält Roger Taylor als einziges Queen-Mitglied den Output neuer Musik am Laufen, falls er nicht gerade zusammen mit Brian May und Adam Lambert als Queen-Verschnitt auf Tournee ist.

Da bis 1989 jeder einzelne Queen-Song seinem Hauptautoren zugeordnet wurde, lässt sich leicht recherchieren, dass Roger Taylor gut zwei Dutzend Eigenkompositionen zum Band-Erfolg beigetragen hat, darunter Klassiker wie „I’m in love with my car“, „Sheer heart attack“, „Radio gaga“, „A kind of magic“ oder auch „These are the days of our lives“. Mit „Outsider“ vertreibt sich also nicht einfach nur ein gelangweilter Drummer die Zeit, zumal Taylor so modern unterwegs ist, dass er seine Songs digital auf den Markt wirft, wenn er etwas zu sagen hat. So erschienen zuletzt „Journey's end“ (2017), „Gangsters are running this world“ (2019) und „Isolation“ (2020), die allesamt auch auf „Outsider“ zu finden sind – einem Album, das überwiegend während des letztjährigen Lockdowns entstand. Deshalb geht die Instrumentierung auch fast vollständig allein auf das Konto von Roger Taylor.

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Acht Jahre nach „Fun On Earth“ (11/2013) legt Roger Taylor mit „Outsider“ nun also sein persönliches Quarantäne-Album vor, das den ehemaligen Partylöwen als gereiften Songschreiber zeigt, der lauten Rock’n’Roll gegen handgemachte, atmosphärische Klänge eingetauscht hat („Tides“), die problemlos im Radio laufen könnten und damit durchaus in der Tradition der Queen-Hits aus Taylors Feder stehen („Isolation“), nur dass es eben sehr viel ruhiger und gesetzter zugeht („We’re all just trying to get by“). Mit seinem markant-heiseren Gesang und einem feinen Händchen für eingängige Harmonien sorgt Taylor dennoch für ein latent vorhandenes Queen-Feeling.

Das Problem vieler Longplayer, die während des Lockdowns entstanden sind, ist, dass die Musiker im Homeoffice aufnehmen mussten, was zulasten der Produktion ging. Zudem waren sie auf sich alleine gestellt und konnten maximal über das Internet Ideen mit anderen austauschen. So fehlt den „Corona-Alben“ häufig ein natürliches Regulativ durch das aktive Zutun Dritter, mit dem verhindert wird, dass man sich in doofen Ideen verrennt. „Outsider“ leidet zum Glück nicht unter den Isolationsbedingungen, obwohl Roger Taylor darauf keine Wunderdinge vollbringt. Mit seiner langjährigen Erfahrung umschifft Taylor jedoch elegant die kreativen Klippen der Quarantänebedingungen, gönnt sich seinen eigenen, kleinen Pink-Floyd-Moment („Journey’s end“) und vermeidet weitgehend Füllmaterial wie „The clapping song“ und die Zweitversion von „Gangsters are running this world“. So gerät „Outsider“ zu einem schönen, ruhigen Alterswerk, das vielleicht ein kleines bisschen davon aufblitzen lässt, wie Queen heute klingen würden.

Anspieltipps:

  • Tides
  • Isolation
  • Outsider
  • I know I know I know
  • We’re all just trying to get by
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