Silly - Instandbesetzt  - Cover
Große Ansicht

Silly Instandbesetzt


  • Label: Electrola/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 51 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Silly kehren mit zwei neuen Sängerinnen zurück und frischen dazu einen Teil ihres Backkatalogs auf.

Silly gehörten in der ehemaligen DDR in den 80er und 90er Jahren zu den beliebtesten Bands des Pop/Rock-Segments, wobei die Gruppe mit ihren eingängigen Melodien und den poetischen Texten tatsächlich zuerst von einem Westdeutschen Produzenten entdeckt und unter Vertag genommen wurde. Das DDR Staatslabel Amiga zog dann aber nach und in der Folgezeit standen Silly mit ihren sehnsuchtsvollen Klängen in Ost- und Westdeutschland für ein besonderes Lebensgefühl und prägten mit Songs wie „Tanzt keiner Boogie?“, „Mont Klamott“ oder auch „Bataillon d`Amour“ eine ganze Dekade des Ostrocks.

Mit dem Tod von Sängerin und Gründungsmitglied Tamara Danz im Juli 1996 folgte die Auflösung der Band. Damit schien das Kapitel Silly endgültig beendet zu sein. Doch im Jahr 2006 erfuhren Silly eine überraschende Wiederbelebung durch den Eintritt der Sängerin und Schauspielerin Anna Loos (50). Mit den Top-5-Alben „Alles In Rot“ (03/2010), „Kopf An Kopf“ (03/2013) und „Wutfänger“ (05/2016) erfuhr die Band eine erfolgreiche Renaissance, die Ende 2018 von der Meldung überschattet wurde, dass sich Silly von Anna Loos getrennt hatten und für die anstehende „10 Alben, 10 Städte, 10 Shows“-Jubiläumstour AnNa R. (Ex-Rosenstolz) und Julia Neigel verpflichtet wurden.

Grund für den Split war die Kollision einer „MTV Unplugged“-Einladung von Silly mit den Soloaktivitäten von Anna Loos, die der Arbeit an ihrem Solodebüt „Werkzeugkasten“ (03/2019) den Vorzug gab. Somit wurde aus dem Unplugged-Auftritt nichts und „Werkzeugkasten“ performte kommerziell nicht wirklich gut. Trotzdem gab es kein Zurück für Anna Loos. Stattdessen gingen Rüdiger „Ritchie“ Barton (Keyboard), Uwe Hassbecker (Gitarre) und Hans-Jürgen „Jäcki“ Reznicek (Bass) auch ihr elftes Studioalbum mit AnNa R. und Julia Neigel am Mikrofon an, auf dem Silly zehn neu produzierte Songs aus ihrem gesamten Repertoire sowie die Neukompositionen „Werden und Vergehn“, „Hamsterrad“ und „Lautes Schweigen“ präsentieren.

Bild

Neueinspielungen alter Songs zählen zwar zu den alten Traditionen im Musikgeschäft, aber gewiss nicht zu den beliebtesten bei den Fans, da sich Bewährtes nur ganz selten verbessern lässt. In Anbetracht des Wechsels am Mikrofon ist die Instandbesetzung von Klassikern aus 40 Jahren Bandgeschichte allerdings eine gute Idee, genau wie mit gleich zwei Sängerinnen neu zu starten, da sich der Druck auf allen Beteiligten besser verteilt. Auf diese Weise haben Silly ihr Oeuvre dezent entstaubt und mit frischem Wind versehen, ohne die legendären Grundlagen komplett auf links zu drehen.

So atmen die Songs auch weiterhin den Geist der 70er und 80er Jahre, wobei sich die drei Neukompositionen deutlich als solche ausweisen. Sound und Texte haben sich eben in all der Zeit gewandelt und vermutlich nichts alles, was hier von früher erzählt wird, kann von jüngeren Generationen nachvollzogen werden. Nichtsdestotrotz ist diese kleine Werkauswahl in frischer Aufbereitung ein interessanter Ritt durch die Geschichte, der sehr behutsam ins Hier und Jetzt transformiert wurde und für den mit AnNa R. sowie Julia Neigel zwei passende Sängerinnen ausgewählt wurden. Richtig spannend wird es aber erst in dem Moment, wenn die neue Silly-Besetzung ein ganzes Werk einspielen wird.

Anspieltipps:

  • Bye Bye
  • Wo bist du
  • Leg mich fest
  • Die wilde Mathilde
  • Werden und vergehn
Neue Kritiken im Genre „Pop“
8/10

Voyage
  • 2021    
Diskutiere über „Silly“
comments powered by Disqus