Ray Wilson - The Weight Of Man - Cover
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Ray Wilson The Weight Of Man


  • Label: Jaggy D/SOULFOOD
  • Laufzeit: 51 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Musik als Medizin, die sich um die Seele kümmert.

Nachdem Ray Wilsons (52) letzter Longplayer „Upon My Life“ (11/2019) lediglich zwei taufrische Songs enthielt und ansonsten als 20 Jahre umfassende Karriererückschau fungierte, wurde es langsam aber sicher Zeit für ein neues Studiowerk, da das Doppel aus „Song For A Friend“ (06/2016) und „Makes Me Think Of Home“ (10/2016) inzwischen fünf Jahre auf dem Buckel hat. Leichter gesagt, als getan. Denn normalerweise verbringt Ray Wilson, wie viele andere Musiker auch, sehr viel Zeit auf Tour und kommt damit pro Jahr auf 150 Auftritte und mehr. Durch diese Konzertreisen bestreiten die Künstler in Zeiten massiv rückläufiger Verkaufszahlen und lächerlich niedriger Streaming-Beteiligungen den Löwenanteil ihres Lebensunterhalts und finanzieren oftmals auch die Aufnahmen neuer Alben vor.

Nach inzwischen 1½ Jahren Corona-Pandemie ist eben jene Haupteinnahmequelle für eine ganze Berufsgruppe weggebrochen und das gesamte Konstrukt der Musikbranche ins Wanken geraten. Wohl dem, der sich auf eine relativ große Fan-Base berufen kann, die es per Internet-Crowdfundig möglich macht, das Geld für die Aufnahmen eines neuen Albums vorzustrecken. Auf diesem Weg hat Ray Wilson „The Weight Of Man“ gestemmt und seine persönliche Reaktion auf die Pandemie und eine für alle extrem schwierige Lebensphase vertont: Musik als Medizin, die sich um die Seele kümmert. Für die Produktion ließ sich Wilson ungewöhnlich viel Zeit, die durch COVID allerdings auch ausreichend vorhanden war.

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Dabei beschränkte sich der Schotte ausschließlich auf das Songwriting und Singen und überließ sämtliche Instrumente seinen Mitstreitern Uwe Metzler (Gitarre), Ali Ferguson (Gitarre), Laurie McMillan (Bass), Jethro Bodean (Keyboards), Scott Spence (Piano), Nir Z (Drums), Marcin Kajper (Saxophon) sowie Yogi Lang (RPWL) als – wenn man so will – Stargast. Am Ende hatte Ray Wilson zehn Eigenkompositionen und das Beatles-Cover „Golden slumber“ vom 1969er Album „Abbey Road“ für „The Weight Of Man“ aufgenommen, das sich als ruhiges und nachdenkliches Werk entpuppt. Als Basis dieses Sounds nutzte Ray Wilson atmosphärische Ambient-Klänge aus der Feder von Jethro Bodean und baute dann seinen typischen, akustischen Prog-Rock drumherum.

Auf diese Weise kreierte Ray Wilson ein Album wie aus einem Guss, was vielleicht auch die einzige Schwäche darstellt. Denn echte Haken und Ösen besitzen die Songs in ihrer Gesamtheit leider nicht. So fließen Tracks wie „You could have been someone“, „Mother earth“, „I, like you“ oder auch „Cold like stone“ wie in wohlig-warme Watte gepackt aus den Lautsprechern und betören den Hörer mit feinen Melodien und stilvoller Instrumentation, ohne dass dabei die ganz große Begeisterung aufkommt. Ein Widerspruch? Nein, da Ray Wilson dieses Konzept bewusst gewählt und eine etwaige fehlende Dynamik einkalkuliert hat, sodass Kritiker am Ende wenigstens ein bisschen was zu meckern haben.

Anspieltipps:

  • I, like you
  • Almost famous
  • We knew the truth once
  • You could have been someone
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