Coldplay - Music Of The Spheres - Cover
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Coldplay Music Of The Spheres


  • Label: Parlophone/WEA
  • Laufzeit: 42 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
4.1/10 Leserwertung Stimme ab!

„Everyone is an Alien somewhere“, oder: Wenn einer Band die Pferde durchgehen und sie klingt, als hätte sie eine mit Energy Drinks gefüllte Badewanne ausgesoffen.

Obwohl Coldplay von Beginn an eine Popband war, die mit ihren Songs ins Radio will, hat sich der musikalische Stil der Briten im Lauf der Jahre doch arg gewandelt und erreichte zwischenzeitlich Sphären, die mit den Geschmäckern der Fans insbesondere ihrer frühen Werke kaum noch vereinbar war. Banale Tanzmusik auf David-Guetta-Niveau musste es jedenfalls wirklich nicht sein. Inzwischen wissen wir, dass Coldplay-Alben immer auch gezielte Momentaufnahmen sind, die zwischen den Gefühlsextremen changieren und dabei Trauer („Ghost Stories“, 05/2014) und gute Laune („A Head Full Of Dreams“, 12/2015) gleichermaßen einfangen. Zuletzt versuchte sich die Band sogar an konzeptioneller Kunstmusik („Everyday Life“, 11/2019), was die Sache zwar spannend, aber nicht unbedingt leicht für den Hörer machte. Und genauso geht es vermutlich weiter, wie der Titel des neuen Albums, „Music Of The Spheres“, sowie die mitunter kryptischen Schreibweisen einzelner Stücke andeuten.

Oder vielleicht doch nicht…? Denn das neunte Studioalbum von Chris Martin und Co. wurde von dem Schweden Max Martin produziert. Eben jener Max Martin, den Coldplay als „Wunder des Universums“ bezeichnen und der bereits mit Popstars wie Britney Spears, Taylor Swift, The Weeknd, Avril Lavigne, Ellie Goulding, Katy Perry, P!nk, Bon Jovi und den Backstreet Boys zusammengearbeitet hat. Da weiß der geneigte Hörer sofort, wohin die Reise diesmal geht. Und siehe da, die mit fünf Monaten Vorlauf ins Rennen geschickte Single „Higher power“ nährte mit ihrem eingänglichen Refrain genau diesen Verdacht: Coldplay beenden ihre Kunstphase und streben zurück zum Radiopop! Am Ende kommt es allerdings doch ganz anders.

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Auch wenn die Briten mit Max Martin einen ausgewiesenen Pop-Songschreiber und Hit-Produzenten verpflichtet haben, ist „Music Of The Spheres“ alles andere als ein Pop-Spektakel geworden. So stellen sich vier der fünf Tracks mit der merkwürdigen Symbol-Schreibweise lediglich als super-kurze Interludes heraus, während der Schlusssong „Coloratura“ gleich mit zehn Minuten zu Buche schlägt. So bleibt unterm Strich eine halbe Stunde Spielzeit mit acht Stücken im klassischen Pop-Format, die jedoch nicht in der Lage sind, die Erwartungen zu erfüllen. Denn dazu ist das Album konzeptionell einfach zu wirr, viel zu simpel gestrickt und bestenfalls durchschnittlich in der Ausführung.

Nein, es ist nicht schlimm, dass die Ernsthaftigkeit von „Everyday Life“ für dieses Werk fast vollständig über Bord gekippt wurde. Der Band sei auch ihre Euphorie in Songs wie „Higher power“ zugestanden, die sie streckenweise so aufgedreht klingen lässt, als hätte sie eine mit Energy Drinks gefüllte Badewanne ausgesoffen („Humandkind“), während sie an anderer Stelle so rüberkommen möchte wie Pink Floyd („Coloratura“). Wenn es sein muss, dürfen Coldplay ihre mit Synthesizer, Drum-Computer, Keyboards und Loops aufgeblasenen Kompositionen auch gerne mit der südkoreanischen Boyband BTS darbieten („My universe“).

Bemitleidenswert wird es hingegen dann, wenn Coldplay für den Gesang der peinlich-banalen Ballade „Let somebody go“ eine Selena Gomez (29) einkaufen, mit der sich Chris Martin seinen berüchtigten Walgesang teilt. Schlimm! Denn früher waren Coldplay im Schreiben von Balladen mal richtig groß. So bleibt am Ende ein irgendwie zerrissen und nicht zu Ende gedachtes Werk, das nicht weiß, ob es Fisch oder Fleisch sein soll und tatsächlich eine Fortsetzung erfahren könnte, wenn man dem Booklet Glauben schenken darf.

Anspieltipps:

  • Biutyful
  • Coloratura
  • Higher power
  • People of the pride
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