Madeline Juno - Besser Kann Ich Es Nicht Erklären - Cover
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Madeline Juno Besser Kann Ich Es Nicht Erklären


  • Label: Embassy Of Music/WEA
  • Laufzeit: 50 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Madeline Juno präsentiert 100 Prozent ihres Lebens in 15 neuen Tracks.

Acht Jahre ist es inzwischen her, dass Madeline Juno (26) von Universal Music zusammen mit den Auftragssongschreibern und Produzenten Patrick Benzner und Dave Roth (Lena, Tokio Hotel, Sarah Connor, Alvaro Soler, Howard Carpendale, Beatrice Egli, Vanessa Mai, Helene Fischer) als junge Newcomerin mit dem „The Unknown“-Album (03/2014) in den Pop-Ring geschickt wurde. Eine klassische Karriere als Popstar hat Madeline Juno seitdem zwar nicht hingelegt, aber inzwischen hat sie sich als Songschreiberin etabliert und ist mit „Besser kann ich es nicht erklären“ mittlerweile bei Longplayer Nummer fünf angelangt. Das besondere an Junos Karriere ist, dass sie ihre Lieder nach zwei Studioalben von englische auf deutsche Texte umgestellt hat und ihre Gefühle damit viel besser zum Ausdruck bringt.

Schon im August 2020 erschien mit „Obsolet“ der erste Singlevorbote ihres neuen Albums, an dem sie zusammen mit ihrem langjährigen künstlerischen Partner Joschka Bender (Benne, Michael Schulte, Lotte, Alle Farben) sowie Alex Lys (Mark Forster, Aurora, Ben Zucker, Matthias Schweighöfer) 2½ Jahre gearbeitet und „100 Prozent ihres Lebens in die 15 neuen Tracks gesteckt hat“. Zentraler Punkt des Longplayers ist das bittere Ende einer großen Liebe, aus der Trauer, Ängste und Selbstzweifel hervorgingen. Es war der Nährboden für eine Depression, aber auch der Auslöser für neue Songs, mit denen sich Madeline Juno aus ihrem Tief herausgekämpft hat und am Ende Erkenntnisse wie „Ich vermisse gar nichts“ und „Es hat sich gelohnt“ lieferte.

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In der Popmusik gehört es zu den großen Königsdisziplinen, anderen Menschen ein selbsttherapeutisches Album so schmackhaft zu machen, dass die verarbeiteten Gefühle auf der Gegenseite eine positive Reaktion und kein verschämtes Wegducken erzeugen. Taylor Swift beherrscht diese Kunst zum Beispiel perfekt, ihre Liebesdramen in Songs zu verpacken, die man sich trotz der geballten Herz-Schmerz-Dramatik gerne anhört. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt auch Madeline Juno, die auf „Besser kann ich es nicht erklären“ einen Seelenstriptease sondergleichen hinlegt, den sie allerdings in eingängige und moderne Songstrukturen verpackt und damit einen weiten Bogen um weinerlichen Befindlichkeitspop macht.

Wer angesichts von Themen wie Trauer, Ängste und Selbstzweifel nach Walgesängen á la Sigur Rós und Coldplay sucht, liegt mit diesem Album falsch. Und das ist auch gut so. Schließlich geht das Leben ja weiter. Deshalb sperrt Madeline Juno rührselige Balladen bis auf „Jedes Mal“ und „Nur kurz glücklich“ (im Duett mit Max Giesinger) fast vollständig aus und zeigt den Abgründen der Liebe mit treibenden Songs wie „Obsolet“, „Sommer, Sonne, Depression“ oder auch „Vermisse gar nichts“ lieber den Stinkefinger. Dazu bedient sie sich einer lockeren Sprache, die auf blöde Reime verzichtet und in einer Erzählform zuhause ist, der man gerne zuhört. Sehr viel mehr muss Popmusik auch nicht können.

Anspieltipps:

  • Obsolet
  • Neukölln
  • November
  • 99 Probleme
  • Lass mich los
  • Credits für den Bild-Header (Startseite): Danny Jungslund

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