Yaenniver - Nackt - Cover
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Yaenniver Nackt


  • Label: Four Music/Sony Music
  • Laufzeit: 42 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
3.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Hengstin wollte kuscheln, aber jetzt fängt sie zu streiten an.

Jennifer Weist (35), bekannt als Frontfrau der aktuell pausierenden Rockband Jennifer Rostock, nennt sich nun Yaenniver und hat eine Solokarriere gestartet. Diese schlägt musikalisch eine andere Richtung ein, als es der Jennifer-Rostock-Hörer von immerhin einem halben Dutzend Studioalben gewohnt war, was aber hoffentlich kein Hindernis darstellt. Zumindest sollte der geneigte Konsument nach immerhin fünf Vorabsingles („Intro“, „Halb so ich“, „Ich ficke jeden“, „Ich setz dir ein Zeichen“ und „Mädchen Mädchen“ – selbstverständlich im Duett mit Luci van Org) inzwischen erahnen können, was in Sachen „Nackt“ auf ihn zukommt.

Nach zehn Jahren Jennifer Rostock wagt Jennifer Weist nun also einen Neuanfang, der zu Beginn des Albums in Songs wie „Intro“ und „Halb so ich“ ausführlich erklärt – oder sollte man besser sagen gerechtfertigt – wird. Schließlich müssen sich die Jennifer-Rostock-Fans auf „Nackt“ an einen neuen Stil gewöhnen, der Rockmusik rigoros ausklammert und stattdessen sehr viel poppiger („Mädchen Mädchen“, „Ich setz dir ein Zeichen“) und elektronischer („Allergisch“) ausgefallen ist und selbst vor HipHop/Rap-Einflüssen nicht zurückschreckt („Ich ficke jeden“). Das ist zumindest schon mal eine spannende Ausgangslage für aufgeschlossene Hörer. Doch ist der künstlerische Reboot auch gelungen?

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Nachdem vor der Veröffentlichung von „Nackt“ bereits fünf Songs bekannt waren und nun in Gänze insgesamt 13 Tracks vorliegen, muss konstatiert werden, dass eine musikalische Revolution trotz des Stilwechsel ausbleibt. Wer zum Beispiel aufgrund von Songs wie „Intro“ und dem von einem coolen Old-School-Westcoast-Sound geprägten „Ich ficke jeden“ auf eine stärkere HipHop-Färbung gehofft hatte, könnte durchaus enttäuscht sein. Dabei wäre ein Gegenentwurf zur weiblichen Deutsch-Rapszene, die mehrheitlich eher peinlich ist, extrem spannend gewesen. Doch so bleibt leider nur ein über weite Strecken gut produziertes, aber unspektakuläres Popalbum, dem irgendwie der entscheidende Kick fehlt.

Zwar bietet Yaenniver wie erwartet ein paar interessante Lyrics („Kifferin“, „Fo real“) sowie ihren gewohnt auffallenden Gesangsstil an („Allergisch“), doch damit hat es sich fast schon mit positiven Argumenten auf der Habenseite, weil eben – wie gesagt – der alles entscheidende Hype-Faktor fehlt, mit dem „Nackt“ aus der Masse heraussticht und damit allen Nicht-Hardcore-Fans genügend Anregungen liefert, um ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Anspieltipps:

  • Intro
  • For real
  • Ich ficke jeden
  • Finger auf die Lippen
  • Ich setz dir ein Zeichen
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