ABBA - Voyage - Cover
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ABBA Voyage


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 37 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
7.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Was sind schon 40 Jahre? Glaubt es, oder nicht. Vorhang auf: ABBA sind zurück!

Echte Sensationen sind im Musik-Business leider selten geworden. Die Gründe dafür sind gewiss vielfältig. Fehlende Superstars, keine großen Hits und das dadurch ausgelöste mangelnde Interesse des Publikums bewirken eine Kettenreaktion, die sich nicht von heute auf morgen umkehren lässt. Die Plattenfirmen versuchen zwar regelmäßig und sehr fleißig, irgendwelche 08/15-Themen als Weltereignis an die Frau und an den Mann zu bringen, doch so einfach ist das heutzutage nicht mehr. Denn im digitalen Zeitalter verpuffen die meisten Veröffentlichungen bei den angepeilten Zielgruppen als Randerscheinungen, die keinerlei Nachhaltigkeit besitzen. Andere Dinge sind vermeintlich wichtiger geworden. Vielleicht müsste man deshalb neue Longplayer zusammen mit dem neuesten iPhone als Box-Set verkaufen, um jüngere Generationen wieder für Musik zu begeistern.

Doch nun kommt der große Game-Changer! Denn diese Veröffentlichung hat bestimmt kein Generationenproblem, da sie insbesondere eine Hörerschicht anspricht, die es noch kennt, wöchentlich in Plattenläden zu pilgern, um dort die neuesten Scheiben physisch zu erwerben. Glaubt es, oder nicht, Vorhang auf: ABBA, mit mehr 400 Millionen verkauften Tonträgern eine der erfolgreichsten Popgruppen der Geschichte, kehrt 40 Jahre nach ihrem letzten Werk „The Visitors“ (11/1981) mit neuen Studiosongs zurück! Und auch auf Tournee wird es im nächsten Jahr gehen – mit digitalen Versionen von Agnetha Fältskog (71), Björn Ulvaeus 76), Benny Andersson (74) und Anni-Frid Lyngstad (75). So trifft Vergangenheit auf Moderne und wir dürfen tatsächlich eine kleine Sensation feiern.

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Letztendlich muss nicht lange darum herumgeredet werden, welche Erwartungshaltung an „Voyage“ gestellt wird. ABBA haben in ihrer Karriere einen so spezifischen Sound geprägt, den Millionen Menschen lieben. Alles andere, als genau daran anzuknüpfen, wäre irre und würde die Fans total enttäuschen. Somit besteht auch die Angst, dass die vier Schweden ihr Denkmal ruinieren könnten, wenn die ersten Klänge des Openers „I still have faith in you“ erklingen, der überraschend balladesk daherkommt, aber dann Stück für Stück die ABBA-typischen Gesangsharmonien, kombiniert mit einer wie fast immer leicht melancholischen Pop-Melodie freigibt. Und genauso geht es auch weiter: ABBA feiern im gereiften Popstaralter keine Teenie-Party, besitzen aber immer noch die Fähigkeit, unglaublich einschmeichelnde Tonfolgen in beschwingte Popsongs zu verpacken („Don’t shut me down“), die hier und da mit orchestralen Einflüssen gepaart wurden, die auf Benny Anderssons Klassik-Ausflug auf „Piano“ (09/2017) schließen lassen („Little things“, „Bumblebee“, „Ode to freedom“).

„Voyage“ ist die medienträchtigste Veröffentlichung des Jahres 2021 und ABBA zeigen der Welt darauf, wie unbeschwerte Popmusik zu klingen hat („No doubt about it“). Die Band kommt in 37 Minuten ohne ein Gramm Fett exakt auf den Punkt und alles klingt so vertraut wie vor 40 Jahren („When you danced with me“). Das Quartett verarbeitet sämtliche Markenzeichen ihrer Musik und leistet sich dabei keinen Ausfall. Damit wird der Mut von ABBA belohnt, nach der wohl längsten „Pause“ der Musikgeschichte im gesetzten Durchschnittsalter von 74 Jahren mit neuen Songs zurückzukehren. Keine Frage: Für viele Millionen Fans ist Weihnachten damit in diesem Jahr auf den 5. November vorgezogen worden.

Anspieltipps:

  • No doubt about it
  • Don’t shut me down
  • I still have faith in you
  • When you danced with me
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