David Bowie - Toy - Cover
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David Bowie Toy


  • Label: Parlophone/WEA
  • Laufzeit: 160 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Zum 75. Geburtstag gibt es neues Material aus dem Nachlass des Meisters in Form eines unveröffentlichten Studioalbums.

Da David Bowie ein Künstler war, der offensichtlich sehr gerne sehr viel Musik produziert hat, die sich in solchen Mengen gar nicht regulär veröffentlichen ließ und er zudem schon zeitlebens kein Problem mit regelmäßigen Katalogveröffentlichungen hatte, war spätestens nach Bowies dramatischem Tod im Januar 2016 absehbar, dass seine Hardcore-Fans in den kommenden Jahren noch jede Menge Schätze aus dem Archiv erwarten durften. Diesbezüglich federführend ist Warner Music, die im Zuge der Zerschlagung der altehrwürdigen EMI Group im Jahr 2011 an den Bowie-Katalog aus den EMI-Zeiten gelangt sind.

Seitdem begeistert Warner Music Fans und Sammler unter dem Signet des Parlophone Labels mit extrem üppigen Box-Sets die Bowies Karriere noch einmal Stück für Stück zusammenfassen und im Zuge dessen diverse Raritäten zum Vorschein bringen. Mit „Five Years (1969-1973)“ (09/2015), „Who Can I Be Now? (1974-1976)“ (09/2016), „A New Career In A New Town (1977-1982)“ (09/2017), „Loving The Alien (1983-1988)“ (10/2018) und zuletzt „Brilliant Adventure (1992-2001)“ (11/2021) gibt es inzwischen fünf dieser klobigen Schatzkisten vor, die sich wahrlich nicht jedermann leisten kann. Doch wie gut, dass bei den Plattenfirmen findige Bürschchen sitzen, die sich zum Wohle des Kunden etwas einfallen lassen (:zwinker:). Und so erscheint einen Tag vor Bowie Geburtstag mit „Toy“ ein bisher unveröffentlichtes Bowie-Album, das ursprünglich nur als Bestandteil des „Brilliant Adventure (1992-2001)“-Box-Sets erhältlich war.

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„Toy“ wurde im Jahr 2000 zusammen mit Produzent Mark Plati (u.a. The Cure, Robbie Williams, Hooverphonic, Lou Reed, Fleetwood Mac), Sterling Campbell (Drums), Gail Ann Dorsey (Bass), Earl Slick (Gitarre), Mike Garson (Keyboards), Holly Palmer (Gesang) und Emm Gryner (Gesang) in New York City eingespielt und enthält neben ein paar neuen Tracks vorwiegend Songs, die ursprünglich auf die Jahre 1964 bis 1971 zurückgehen und durch eine Live-Einspielung ein neues Gewand erhalten sollten. Am Ende verlief die Veröffentlichung von „Toy“ allerdings im Sand. Bowie verlies die EMI-Gruppe und wechselte zu Columbia Records, wo er stattdessen das im Jahr 2002 erschienene „Heathen“-Album auf den Markt brachte. Einige der „Toy“-Songs wurden später in anderer Form (zum Beispiel als B-Seiten) veröffentlicht, während das Gesamtwerk als Bootleg im Internet herumgeisterte.

Mit diesem illegalen Material ist jetzt hoffentlich Schluss! Denn nun liegt „Toy“, zwar extrahiert von dem großen Box-Set, aber trotzdem in epischer Breite vor. Nicht gerade günstig, jedoch in einer wertigen Oversize-Aufmachung verpackt, präsentiert sich das ein Dutzend Songs umfassende Werk zusammen mit einem Berg alternativer Versionen auf insgesamt drei CDs, die geschichtsinteressierte Hörer und David-Bowie-Fans mit schmalerem Geldbeutel ansprechen sollen. Eine nette Geste. Doch tatsächlich hätte es genügt, lediglich das Hauptalbum separat zugänglich zu machen und die 26 Bonus-Stücke exklusiv in der Box zu belassen, da die unterschiedlichen Abmischungen nicht wirkliche andere Erkenntnisse bringen.

Losgelöst von all dem Bonus-Gedöns bleibt mit „Toy“ ein absolut zeitloses Album im klassischen Bowie-Sound. Popmusik ohne Experimente und Esoterik-Fettrand. Frisch, inspiriert und zugänglich. Die Songs liegen als fertig ausproduzierte Versionen vor und lassen keine Gedanken an Demo- und/oder Bootleg-Ware aufkommen. Auf diese Weise geht „Toy“, nachdem Bowie Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre seine unrühmliche Schweinerockphase mit Tin Machine ausgelebt hatte und danach für den Rest des Jahrzehnts in verkopfte Art-Rock-Gefilde abtauchte, zurück zur Basis und bringt neuen Schwung in das verwendete Songmaterial aus den 60er Jahren. Das Ergebnis klingt im positiven Sinn so rund, dass es heute wie damals funktioniert, auch wenn wir nicht wissen, wie „Toy“ im musikalischen Umfeld des Jahres 2001 performt hätte.

Anspieltipps:

  • Shadow man
  • Silly boy blue
  • The London boys
  • Conversation peace
  • Can’t help thinking about me
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