Adele - 30 - Cover
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Adele 30


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 58 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Es ist mal wieder an der Zeit, dass Adele die Karten auf den Tisch legt und ihre Lebensgeschichte (in Songs verpackt) dem Boulevard präsentiert.

Adele (33) ist ein Superstar. Das belegen mehr als 100 Millionen verkaufte Einheiten ihrer Singles und Longplayer. Allerdings sind zwischen Adeles erstem Album und dem neuesten Werk satte 13 Jahre ins Land gezogen, sodass die Britin inzwischen mehr in der Boulevard-Medien, als in den Musikpresse stattfindet. Wir fassen deshalb zusammen: Erster Longplayer („19“, 03/2008) mit knapp 20 Jahren, Geburt von Angelo (9) im Jahr 2012 mit 24 Jahren, Heirat mit Simon Kenecki (47) im Jahr 2018 im Alter von 30 Jahren, Scheidung von Simon Kenecki im Jahr 2020 mit 32 Jahren. Seit ein paar Monaten datet Adele den Sportmanager Rich Paul (39) und gibt der Yellow Press Interviews, wie sie im Laufe der Jahre gut 45 Kilo Gewicht verloren und sich quasi halbiert hat. Und damit willkommen bei Bunte und Bild sowie in der Zahlenwelt von Adele Laurie Blue Adkins.

Diese ist mit „30“ – ihrem vierten Longplayer – endlich bei einem Majorlabel gelandet, der eigentlich nicht mehr nach dem Alter benannt werden sollte, in dem die Songs das Laufen gelernt hatten. Jetzt heißt „30“ nun doch „30“ und die Fans rennen der 33-Jährigen, immerhin sechs Jahre nach „25“ (11/2015), die Bude nach neuen Liedern ein. Denn der extreme Gewichtsverlust hat ihrer Stimme nicht geschadet, auch wenn die Songs nun – rein optisch – ein ganz anderer Mensch vorzutragen scheint. Sei’s drum. Ganz offenbar hat die Welt in diesen verrückten Zeiten auf Adeles Balladen gewartet, die jetzt mit viel Promo-Aufwand in den Mainstream gedrückt werden.

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So wie „Hello“ als Single auf „25“ einstimmen sollte, ist es heuer „Easy on me“, das Appetit auf „30“ machen möchte, dabei die gleichen Mittel anwendet und schnell klar macht, dass sich in der musikalischen Welt von Adele nicht viel verändert hat. Sie verarbeitet in den Songs ihr Leben (siehe oben) und lässt sich dazu geschmeidige Stücke im stilistischen Fahrwasser aus Motown-Soul, Pop, Gospel, Reggae, HipHop und R&B von internationalen Top-Produzenten wie Shellback, Greg Kurstin, Tobias Jesso Jr., Ludwig Göransson, Inflo und Max Martin zurechtzimmern, die tatsächlich sehr wenig auf Orchester- und Pianobegleitung setzen („Easy on me“) und es dafür lieber etwas schwungvoller angehen („Oh my god“, „Can I get it“).

Auf diese Weise geht es durch die klassischen Kaffeeklatschthemen, die absolut makellos produziert wurden und kaum Angriffspunkte liefern. Einen fatalen Ausrutscher leistet sich Adele allerdings dann doch: Dem Hörer bleibt nicht erspart, dass die gar nicht mehr so junge Mutter die Stimme ihres Kindes sampelt („My little love“) und damit ein furchtbar ausgelutschtes Stilmittel verwendet, um das lyrische Drama zu steigern. Na ja, Schwamm drüber. Denn in der übrigen Spielzeit legt Adele einen gediegen warmen Klangmantel um den Hörer, der auffällig stark vom Soul der frühen 70er Jahre inspiriert ist und damit die ideale Spielwiese für Adeles Stimme bereitstellt. Dabei ist der Balladenanteil erwartungsgemäß hoch und ein weiterer eingängiger Superhit der Marke „Make you feel my love“, „Rolling in the deep“, „Someone like you“ oder auch „Hello“ weit entfernt. Nichtsdestotrotz funktioniert „30“ als herbstlich verträumtes Soul-Album recht gut, auch wenn dem geneigten Hörer die zugrundeliegenden Boulevard-Themen gehörig auf den Keks gehen sollten.

Anspieltipps:

  • Hold on
  • Easy on me
  • I drink wine
  • Woman like me
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