Scorpions - Rock Believer - Cover
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Scorpions Rock Believer


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 44 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
8.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Let’s play it louder, play it hard, laid back and a little dark, give me a dirty riff my friend, there’s gotta be more gas in the tank.

Eigentlich waren sie schon weg. Im Ruhestand. Die wohlverdiente Rock-Rente genießen. Doch trotz des angekündigten Karriereendes konnten die Scorpions nie so richtig loslassen. „Sting In The Tail“ (03/2010) sollte ihr Abschiedsalbum sein, doch dazu war es im Prinzip eine Spur zu durchschnittlich. Konnte man als Deutschlands ehemals größter (Hard-)Rock-Export so abtreten? Nein, natürlich nicht! Und so verlängerten die Scorpions ihre Lebenszeit um weitere Alben wie „Comeblack“ (11/2011) und „Return To Forever“ (02/2015), gaben ein umjubeltes Gastspiel bei MTV („Unplugged In Athens“, 11/2013), veröffentlichten acht ihrer Klassiker als „50th Band Anniversary“-Editionen (11/2015) neu und zeigten sich live on Stage so präsent wie eh und je. Das Einzige, was allen zum großen Glück noch fehlte, war ein richtig starkes Studioalbum.

Dann kam Corona und der weltweite Lockdown. Diese Zeit nutzten die Scorpions, um ihr 19. Studioalbum anzugehen. Das erste zusammen mit Mikkey Dee (Ex-Motörhead), der den erkrankten James Kottak ersetzte. Dieser saß von 1996 bis 2016 an den Drums der Hannoveraner, die sich bei der Produktion von „Rock Believer“ notgedrungen auf die Methoden der 80er Jahre besannen und ihre neuen Stücke als Band, zusammen in einem Raum eingespielt haben. Auf die Hilfe eines externen Produzenten wurde dabei mehr oder weniger verzichtet, weil Wunschpartner Greg Fidelman (Metallica, Slipknot, Red Hot Chili Peppers, Slayer, System Of A Down) in den USA festsaß und nur per Videochat dazugeschaltet werden konnte, während die Scorpions in den heimischen Peppermint Park Studio im Alleingang an neuen Songs werkelten.

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Der Geist und die Methoden der 80er Jahre wirkten scheinbar wie ein Jungbrunnen auf das kreative Dreigestirn Klaus Meine, Rudolf Schenker und Matthias Jabs, die nicht nur beim „Rock Believer“-Cover auf Band-Klassiker wie „Blackout“ (03/1982), „Animal Magnetism“ (03/1980) oder auch „Lovedrive“ (02/1979) Bezug nehmen, sondern auch musikalisch an ihre alten Stärken andocken. Dies wurde klar, als ab November 2021 die ersten offiziellen Töne von der Kette gelassen wurden. Seitdem sind mit „Peacemaker“, „Rock believer“, „Shining of your soul“ und „Seventh sun“ vier Vorab-Tracks vorgelegt worden, die mit simplen Texten, eingängigen Hooks sowie schnittigen Riffs glänzen und den Hörer in den Sommer des Jahres 1984 zurückversetzen, als die Scorpions mit „Love At First Sting“ (03/1984) durch die Decke gingen.

Natürlich sind einige Reime in Songs wie „Roots in my boots“, „Hot and cold“ oder auch im Titeltrack mit erhöhtem Schmunzelpotenzial ausgestattet, doch darüber lässt sich hinwegsehen, wenn stattdessen feinster Hardrock zum Kopfnicken einlädt. Denn darum soll es schließlich gehen: Kein Produktionsschnickschnack, keine Befriedigung von Egos und kein Tanzen auf fremden Hochzeiten. Die Musikwelt ist dann glücklich, wenn die Scorpions straighte Hardrocker der Marke „When I lay my bones to rest“ und „Peacemaker“ heraushauen, die wunderbar natürlich klingen und keine Gefangenen machen. Wenn dazu in Stücken wie „Shining of your soul“ und „Seventh sun“ kurz in den Siebzigern vorbeigeschaut wird und mit „When you know (where you come from)“ lediglich eine echte, ähem, Schmuseballade zum Einsatz kommt, wird dies einfach nur dankbar aufgenommen. Unterm Strich ergibt dies einen außerordentlich stimmigen Longplayer, der für den Fall, dass er der letzte in die Scorpions-Historie sein möge, ein fast perfekter Abschied wäre.

Anspieltipps:

  • Peacemaker
  • Seventh sun
  • Hot and cold
  • Rock believer
  • Shining of your soul
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  • 2021