Jack White - Fear Of The Dawn - Cover
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Jack White Fear Of The Dawn


  • Label: Third Man Records
  • Laufzeit: 40 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

Der ehemals weiß-gestreifte Herr White, nun mit blauem Haar, lässt auf dem ersten von zwei neuen Alben in diesem Jahr die Riff-Sau raushängen. Mal sehen, wie es später weitergeht.

Wozu die vielen, wegen der anhaltenden Corona-Pandemie abgesagten Tourneen, die massiv aufgestaute Kreativität und die zurückgehaltenen Veröffentlichungen führen können, erleben wir noch immer Woche für Woche, wenn neue Alben auf den Markt kommen, die im Prinzip seit zwei Jahren auf Halde liegen, also quasi schon veraltet sind, während sich die Damen und Herren Musiker schon längst mit frischem Material beschäftigen. Wie praktisch, wenn man wie Jack White (46) mit Third Man Records sein eigenes Plattenlabel und Presswerk (!) besitzt und den Laden zwischendurch mal kräftig durchfegen und Platz schaffen kann.

Denn Jack White kündigte im Herbst 2021 an, gleich zwei neue Studioalben auf den Markt zu bringen. Nicht wie einst Bruce Springsteen und Guns N‘ Roses in den 90er Jahren beide am selben Tag, doch immerhin innerhalb weniger Monate. Den Anfang macht im April „Fear Of The Dawn“, gefolgt von „Entering Heaven Alive“ im Juli. Dies lässt die lange Wartezeit nach dem merkwürdig sperrigen „Boarding House Reach“-Longplayer (03/2018) plötzlich wie Schall und Rauch erscheinen, zumal Jack White auf „Entering Heaven Alive“ angeblich nicht einfach nur die liegengebliebene B-Ware von „Fear Of The Dawn“ verwursten will. Stilistisch sollen beide Werke nämlich völlig unterschiedlich sein und gänzlich andere Stimmungen widerspiegeln.

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Wir werden. Doch bis es mit dem „Entering Heaven Alive“-Album soweit ist, vergehen noch ein paar Monate. Solange kann sich der Hörer ausführlich mit den 12 Songs auf „Fear Of The Dawn“ beschäftigen, die von einem furiosen Rifffeuerwerk in „Taking me back“ angeführt werden, mit dem schon mal die erste Regel für ein gutes Rockalbum eingehalten wird: Der Opener muss sitzen und in den Hintern treten! Praktischerweise schließen sich der folgende Titelsong sowie „The white raven“ diesem heiligen Credo an und rocken ebenfalls wie entfesselt das Haus, ehe in „Hi-de-ho“ böse die Bremse reingehauen und zusammen mit Q-Tip gerappt, geklatscht und geklöppelt wird. Damit ist dem latenten White-Wahnsinn Tür und Tor geöffnet. Und der Herr lässt sich nicht lumpen! Im verspielten, mit Effekten überladenen „Eosophobia“ sowie im elektronisch-zerfahrenen „Into the twilight“ hören wir gleichzeitig die Englein singen und die Wölfe heulen. Kann man mögen. Muss man aber nicht.

Deutlich straighter, wenn auch nicht minder irre, sind die zackigen Rocker „What’s the trick“ und „That was then (this is now)“ mit feinen Tom-Morello-Gedächtnis-Riffs. Und dass es auch mal ohne Eruptionen des gepflegten Wahnsinns geht, zeigen Tracks wie „Morning, noon and night“ und das finale „Shedding my velvet“, mit dem Jack White tatsächlich noch eine Ballade unterbringt. Diese könnte gefühlt auch von den Red Hot Chili Peppers sein – nur mit dem Unterschied, dass Herr White wesentlich effektiver arbeitet und verschnarchten Gleichklang vermeidet. Auf diese Weise wird „Fear Of The Dawn“ nie langweilig, da immer irgendetwas unvorhergesehenes passiert. Ab und zu mag dies nur schwer erträglich sein, doch lustig ist’s allemal.

Anspieltipps:

  • The white raven
  • Taking me back
  • What’s the trick
  • Fear of the dawn
  • Morning, noon and night
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