Marillion - An Hour Before It´s Dark  - Cover
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Marillion An Hour Before It´s Dark


  • Label: earMusic/EDEL
  • Laufzeit: 54 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Zwischen Pandemie und Klimakrise: Marillion bewegen auf ihrem 20. Studioalbum thematisch schwere Brocken.

In bewährter Weise wurde auch die Produktion und Veröffentlichung von „An Hour Before It’s Dark“, dem inzwischen 20. Studioalbum der britischen Prog-Rocker, über die eigene Homepage mit einer speziellen Pre-Order Crowdfunding-Kampagne begleitet, obwohl die Band schon seit längerer Zeit mit earMusic wieder einen festen Label-Partner hat. Die Belohnung für die Fans, die ihr Geld lange Zeit vor dem Release investieren, stellt u.a. ein exklusives Box-Set dar, das jede Marillion-Sammlung schmücken wird, am Ende aber auch einen fetten Haufen Geld gekostet hat. Wem das zu viel, muss sich aber nicht grämen, da die Auswahl aus diversen weiteren Konfigurationen wirklich sehr umfangreich ist.

„An Hour Before It’s Dark“ wurde, wie schon das Vorgängerwerk „F*** Everyone And Run (F E A R)“ (09/2016), ebenfalls in Peter Gabriels High-Tech-Tempel namens Real World Studios in der Grafschaft Wiltshire aufgenommen. Es ist ein Album, das sich inhaltlich mit Themen wie dem Klimawandel auseinandersetzt und anmerkt, dass es allerhöchste Zeit zum Handeln ist. Also quasi fünf vor Zwölf bzw. eine Stunde bevor es dunkel ist. Es wurde aufnahmetechnisch vom Marillions langjährigem Partner Michael Hunter (u.a. The Hoosiers, Air, The Veils, Mansun) betreut, sodass in Sachen Sound von Steve Hogarth (Gesang), Steve Rothery (Gitarre), Pete Trewavas (Bass), Mark Kelly (Keyboards) und Ian Mosley (Schlagzeug) keinerlei Experimente oder Neuerungen zu erwarten sind.

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„An Hour Before It’s Dark“ besteht aus den sieben Long-Tracks „Be hard on yourself“, „Reprogram the game“, „Only a kiss“, „Murder machines“, „The crow and the nightingale“, „Sierra Leone“ und „Care“, die zum Teil in Suiten aufgeteilt wurden. Je nach Zählung ergeben sich so auch 21 Stücke, allerdings in Summe keine ausufernde Spielzeit. Das Album bleibt im Bereich von einer human dosierten Stunde und knüpft stilistisch an den Sound an, den Marillion mit dem Einstieg von Sänger Steve Hogarth angenommen haben. Das ist zwar schon mehr als 30 Jahre her, doch auch heute schlägt sich Hogarth – trotz diverser starker Momente auf zig Longplayern – immer noch mit dem großen Schatten seines schottischen Vorgängers herum. Klingt verrückt, ist aber so! Und um es vorweg zu nehmen: Diesen Kampf gegen die Nostalgie kann auch „An Hour Before It’s Dark“ nicht vollends gewinnen.

Dazu fehlen weiterhin die prägnanten Hooks und Melodien aus der Fish-Ära, in der die Songs noch nicht grundsätzlich in epische Breiten gedehnt wurden. Dies hat zur Folge, dass sich der geneigte Hörer aus vor sich hin mäandernde Songstrukturen, die sich in einem poppig-progressiven Schönklang suhlen, die stets aufblitzenden bemerkenswerten Fragmente herauspicken kann, um sich daraus sein persönliches Klanggemälde zu bilden. Auf diese Weise extrahiert der Konsument die Essenz aus dem, was die Band aus vielen Kleinteilen zu einzelnen Songs zusammenmontiert hat, was durchaus gut klappt, da Marillion einen vergleichsweise zugänglichen Stil pflegen, der nur selten richtig rockig wird. Progressive-Metal-Gedudel á la Dream Theater hätte dagegen bestimmt schon viele zur Aufgabe gezwungen. Damit sind Marillion Mark II auch anno 2022 gewohnt solide bis gut unterwegs und eine Band, die man nie abschreiben darf.

Anspieltipps:

  • Care
  • Sierra Leone
  • Murder machines
  • Be hard on yourself

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