Axel Rudi Pell - Lost XXIII - Cover
Große Ansicht

Axel Rudi Pell Lost XXIII


  • Label: Steamhammer/SPV
  • Laufzeit: 63 Minuten
Artikel teilen: Facebook
5.5/10 Unsere Wertung Legende
1.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Handwerkliche Perfektion beißt sich mit gepflegter Langeweile. Axel Rudi Pell gibt dem Hörer eine Geborgenheit, die dieser per se mögen sollte.

Auch im mittlerweile 33. Karrierejahr läuft die Veröffentlichungsmaschinerie im Hause Axel Rudi Pell (61) geschmeidig, rund und verlässlich wie ein Schweizer Uhrwerk. Für ARP-Anhänger ist dies ein echter Segen, denn größere Pausen zwischen zwei Longplayern kennt die Fangemeinde im Prinzip nicht, sodass selbst dürre Corona-Jahre glimpflich überstanden werden. Folglich legt der Gitarrenmeister nach „Sign Of The Times“ (05/2020) sowie der Fortsetzung des 2007er Cover-Albums „Diamonds Unlocked“ (07/2021) mit „Lost XXIII“ erneut frisches Material nach und präsentiert sein mittlerweile 21. Studioalbum. Darauf setzt der gebürtige Wattenscheider auf seine altgedienten Kräfte Johnny Gioeli (Gesang), Ferdy Doernberg (Keyboards), Volker Krawczak (Bass) und Bobby Rondinelli (Schlagzeug), wodurch auch stilistisch alles im vertrauten Fluss bleiben dürfte.

Diese Kontinuität, die das Publikum offensichtlich sehr schätzt, brachte Axel Rudi Pell in drei Dekaden mehr als 1,7 Millionen verkaufte Tonträger ein. Ein paar werden nun ganz sicher im überschaubaren Rahmen dazukommen. Denn wie die Vorabsingles „Survive“ (Februar) „Down on the streets“ (März) und „Gone with the wind“ (April) verrieten, ist auch auf dem neuen ARP-Werk genau das enthalten, was das pellsche Gütesiegel seit Äonen verspricht und hält: Epische Kompositionen, straighte Rocksongs und melodischer Hardrock. Also alles wie immer, wodurch die Unterschiede zwischen den einzelnen Alben eher marginal ausfallen und somit auch „Lost XXIII“ etwas zu Stangenwaren verkommen lassen.

Bild

„Lost XXIII“ kommt in der limitierten Erstauflage mit einem zusätzlichen Song daher, der die Gesamtspielzeit auf 63 Minuten hochschraubt. Damit ist das Soll mengenmäßig erfüllt. Qualitativ herrscht dagegen die vertraute Gemengelage aus flotten Rocksongs wie „Survive“, „No compromise“ und „Follow the beast“ sowie ausschweifenden Longtracks wie „Gone with the wind“, „Lost XXIII“ und „Quarantined 1“, die allesamt eins gemein haben: Der Funke will heuer nicht so richtig auf den Hörer überspringen. Denn dazu sind die in spielerischer Perfektion vorgetragenen Tracks zu vorhersehbar konzipiert und zu arm an Höhepunkten umgesetzt. Das ist die Krux aus einer Routine, die sich Axel Rudi Pell in mehr als 30 Jahren angeeignet hat: Handwerklich lässt sich an den elf Songs nichts aussetzen, doch wer ein Aha-Erlebnis sucht, ist hier definitiv falsch!

Für die treuen Fans von Axel Rudi Pell ist „Lost XXIII“ eine vertraute Spielwiese, die dem geneigten Konsumenten eine Art Geborgenheit gibt, wie das eigene Zuhause oder die wöchentliche Lieblingsserie im Fernsehen und damit ein völlig legitimes Hörerlebnis darstellt. Wer dagegen neue Abenteuer auf der E-Gitarre und insgesamt eine Spur mehr Abwechslung zu den vorausgegangenen Veröffentlichungen sucht, muss im CD-Regel wohl oder übel in ein anderes Fach greifen.

Anspieltipps:

  • Lost XXIII
  • Fly with me
  • Down on the streets
  • Gone with the wind
Neue Kritiken im Genre „Hardrock“
7.5/10

Servant Of The Mind
  • 2021