Red Hot Chili Peppers - Unlimited Love - Cover
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Red Hot Chili Peppers Unlimited Love


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 73 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Kein Aprilscherz: Die Chili Peppers zelebrieren auf ihrem neuen Werk abgehangenen Altherren-Funkrock. Man möge ihnen ganz schnell ein paar Chilischoten in den Hintern schieben, damit sich das wieder ändert.

Wir schreiben den 1. April des Musikjahres 2022. Ein Jahr, das äußerst beschaulich begonnen hat und drei nervig lange Monate ohne wirkliche Veröffentlichungshöhepunkte von internationalem Format auskommen musste. Hier und da gab es zwar ein paar kleinere Ausschläge nach oben, doch richtige Hochkaräter blieben aus, zumal vermeintliche Superstars wie Alicia Keys („Keys“) und Kanye West („Donda“) lediglich die physischen Varianten ihrer bereits vor Monaten digital veröffentlichten Alben nachgereicht haben, was am Ende des Tages niemanden mehr interessiert. Doch nun kehrt – sechs Jahre nach „The Getaway“ (06/2016) – mit den Red Hot Chili Peppers ein wahrer Supertanker der Rockmusik zurück, der im Laufe seiner fast 40-jährigen Karriere mehr als 80 Millionen Tonträger an den Mann und die Frau gebracht hat.

Freude bereitet zudem, dass die Band in klassischer Manier bis zum Schluss ein Geheimnis aus den neuen Songs gemacht und nicht bereits das halbe Album durch haufenweise digitale Single-Vorabauskopplungen verwässert hat. Darüber hinaus haben die Chili Peppers noch zwei echte Überraschungen in petto, die Hoffnung auf ein großes Werk machen: Auf „Unlimited Love“, dem zwölften RHCP-Studioalbum, das bereits im Jahr 2020 erscheinen sollte, ist erstmals seit dem „Stadium Arcadium“-Monolithen (05/2006) wieder Gitarrist John Frusciante (52) zu hören. Er ersetzt seinen zehn Jahre jüngeren Nachfolger Josh Klinghoffer (42), der die Band im Dezember 2019 verlassen hatte. Außerdem kehrte für „Unlimited Love“ der langjährige RHCP-Produzent Rick Rubin (The Strokes, Eminem, Lady Gaga, Johnny Cash, Slayer) nach „I’m With You“ (08/2011) in das Team um Anthony Kiedis (Gesang), Flea (Bass) und Chad Smith (Drums) zurück.

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Wem das von Nigel Godrich (Radiohead, Pavement, R.E.M.) und Danger Mouse (U2, The Black Keys, Beck) produzierte „The Getaway“ zu brav war, der darf nun also doppelt aufatmen! Trotzdem ist die Aufgabe für Rick Rubin keine leichte, nachdem die Kreativ-Kurve mit „I’m With You“ und „The Getaway“ stetig nach unten zeigte. So wirkt es fast etwas übereifrig, wenn „Unlimited Love“ gleich mit 17 Tracks und 73 Minuten Spielzeit ins Rennen geht. Denn damit befinden sich die Amerikaner auf dem Niveau eines Doppelalbums, was zum einen so gar nicht in die Zeit passt und zum anderen eine extrem große Angriffsfläche bietet. So wirkten die Vorabauskopplungen „Black summer“, „Poster child“ und „Not the one“ bemerkenswert zaghaft, während sich die Band im Album-Booklet jung und albern präsentiert, als schrieben wir das Jahr 1992 und nicht 2022. Man beachte: Die Herren Kiedis, Flea und Smith sind alle Ende 50, Anfang 60.

Um es vorweg zu nehmen: Die Bilder im Booklet führen auf eine falsche Fährte! Denn der zurückhaltend-erwachsene Sound der ersten Singles zieht sich breitflächig durch das gesamte Album und lässt den Begriff „Rockmusik“ nur im Ausnahmefall zu. Damit bewegen sich die Chili Peppers auf einer grenzwertigen Schwelle zum verschnarchten Alterswerk. Lediglich John Frusciantes Gitarrenspiel ist in der Lage, diese Lethargie aufzubrechen, die sich mit zunehmender Spieldauer wie Blei über das Album zu legen droht. So ergeben sich immer wieder Zwiespalte wie in „Black summer“, das zwar keine herausragende Hookline besitzt, aber musikalisch dennoch erste Klasse ist, weil die Band Atmosphäre und Funk-Grooves auf magische Weise miteinander verbindet. Doch dieses geniale Zusammenspiel passiert leider viel zu selten.

Dadurch sind richtig große Momente auf „Unlimited Love“ viel zu selten. Stattdessen verwaltet die Band ihre bekannten Markenzeichen („One way traffic“), bietet Balladen mit dezentem Seventies-Flair auf („Not the one“) und suhlt sich in jazzigen Mucker-Songs mit Bläserparts („Aquatic mouth dance“, „Let ‘em cry“), in denen Flea ganz offensichtlich die kreativen Hosen anhat. Das alles klingt ganz nett und hat einen tollen, von Rick Rubin produzierten organischen Klang, ist aber in Summe zu ruhig („Poster child“). Nicht nur als Auflockerung wünscht sich der Hörer stattdessen öfter rockige Ausbrüche wie in „These are the ways“, „Bastards of light“ und in Teilen auch in „The heavy wing“. Am Ende ist diese Ausbeute zu gering, um von einem starken Longplayer zu sprechen. Doch angeblich liegen aus den „Unlimited Love“-Sessions noch ein paar Dutzend Songs auf Halde, sodass sich zur Not relativ schnell ein Reparaturalbum mit mehr Pfeffer im Hintern nachschieben ließe.

Anspieltipps:

  • She’s a lover
  • Black summer
  • One way traffic
  • The heavy wing
  • Bastards of light
  • These are the ways
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