Rammstein - Zeit - Cover
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Rammstein Zeit


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 44 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
8.8/10 Leserwertung Stimme ab!

„Sogar die Sonne wird verglühen. Doch keine Angst, wir sind bei dir. Ein letztes Mal so singen wir Adieu, Goodbye, auf Wiedersehen“. Ist „Zeit“ tatsächlcih das letzte Rammstein-Album?

Rammstein haben die Corona-bedingte Freizeit genutzt und nur drei Jahre nach ihrem selbst- bzw. unbetitelten Album (05/2019) mit „Zeit“ ein weiteres Studiowerk fertiggestellt. Die Aufnahmen fanden genau wie beim Vorgänger im südfranzösischen St. Rémy de Provence statt und wurden erneut von dem Produzenten und Tontechniker Olsen Involtini (u.a. Die Fantastischen Vier, Emigrate, Bela B, Marteria, Peter Fox, Seeed, Unheilig) betreut. Insgesamt hat sich die Band lediglich zwei Jahre für den Entstehungsprozess ihres achten Longplayers Zeit gelassen und war damit so flink unterwegs wie der Hörer es nur in den ersten Jahren von Rammsteins Karriere erleben konnte.

Eine Ausnahmesituation, die sich allerdings so schnell nicht wiederholen dürfte, sobald das Tourleben, wie es vor der Corona-Pandemie an der Tagesordnung war, wieder die gewohnten Ausmaße eingenommen hat und Till Lindemann (Gesang), Paul Landers (Gitarre), Richard Z. Kruspe (Gitarre), Flake (Keyboard), Oliver Riedel (Bass) und Christoph Schneider (Drums) ausgiebig um die Welt ziehen werden. Zudem hält sich das hartnäckige Gerücht, dass „Zeit“ endgültig das letzte Rammstein-Werk sein könnte nachdem schon seit Jahren immer wieder darüber spekuliert wurde, dass das Kapitel Rammstein zeitnah beendet werden könnte. Oder sagen wir es mal so: Solche Gerüchte dienen hervorragend dazu, um Album- und Ticketverkäufe anzukurbeln.

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So angefixt steigen wir mit dem elektronisch geprägten „Armee der Tristen“ in das Album ein. Dazu holen Rammstein die Hörerschaft trotz zackiger Rhythmen und knatternden Gitarrenriffs relativ sanft und melodisch ab. Eine perfekte Vorlage für den folgenden Titeltrack, der sich musikalisch ähnlich gibt, aber in Bezug auf den Refrain deutlich eingängiger gestaltet ist. Diesen Stilmitteln bleibt das Sextett auch mit der balladesken Hymne „Schwarz“ konsequent treu, in der an H.I.M. (!!) gemahnende Keyboardparts überraschen. Das bereits bekannte „Zick Zack“ ist dagegen eine prädestinierte Singleauskopplung. Provokant-polarisierende Texte, eine simple Melodie und klassisches Rammstein-Riffing. Alles klar. „Giftig“ haken wir für Rammstein-Verhältnisse jedoch nur als Stangenware bzw. Albumfüller ab. Geschenkt.

So verzichtet die erste Albumhälfte fast vollständig auf brachialen Hardrock, nur um mit „OK“ erstmals die Sau rauszulassen, was auch auf den Text zutrifft. So wollen wir Rammstein hören! Und tatsächlich gestaltet sich die zweite Albumhälfte auf diese Weise homogener und abwechslungsreicher, wenn sich sanfte Titel wie „Meine Tränen“ und „Adieu“ mit stampfenden Rockern wie „Angst“ und „Dicke Titten“ abwechseln. Hier fühlt sich der Hörer in der Tat an die frühen Longplayer der Ostberliner erinnert, die in einzelnen Songpassagen stilistisch zitiert werden und tatsächlich wie ein bombastischer Abschiedsgruß klingen. Adieu, Goodbye, auf Wiedersehen. War es das wirklich?

Anspieltipps:

  • Zeit
  • Angst
  • Schwarz
  • Zick Zack
  • Meine Tränen
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