Castus Rabensang (Corvus Corax)

  • 18.03.2006
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Castus Rabensang (Corvus Corax) - News
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CDstarts befragte Corvus Corax, Die Könige der Spielleute, zu ihrem Meilenstein „Cantus Buranus”.

Die Könige der Spielleute, Corvus Corax, haben nach „Gaudia Vite“ mit „Cantus Buranus“ einen weiteren Meilenstein der rezenten Mittelalter Musik abgelegt. Insgesamt 171 Menschen präsentierten die Neufassung der Liedersammlung „Lieder aus Benediktbeuren“, die um die 250 Texte aus dem frühen 13. Jahrhundert beinhaltet, am 19. und 20. August 2005 auf der Museumsinsel in Berlin. CDstarts befragte Castus Rabensang zu den Geschehnissen vor, nach und während des Spektakels.

CDstarts.de: Ihr habt mit der Live-Aufführung von „Cantus Buranus” eine sensationelle Leistung vollbracht. Das wird wohl jeder bestätigen können, der bei einem der Auftritte auf der Museumsinsel in Berlin dabei war und Dich zusammen mit den restlichen 170 Menschen auftreten sah. Was für eine Planung ist vonnöten um ein Spektakel dieser Größenordnung fehlerfrei über die Bühne zu bekommen oder waren die Vorbereitungen für diese Live-Darbietung, nachdem Ihr das Ganze schon im Studio gespielt habt, nicht mehr so schwierig?

Castus: Für uns war schon immer klar, wenn wir das im Studio fertig machen, dann muss das auch unbedingt auf die Bühne und dann wartet natürlich sehr viel organisatorisches Talent auf uns. Wir mussten erst einmal an der Partitur arbeiten, weil im Studio brauchten wir nur eine für etwa 5 – 6 Leute, jeweils eine für die einzelnen Instrumente, aber eben nicht so wie es die klassischen Musiker gewohnt sind. Damit das Orchester das dann auch spielen kann, das mussten wir erst organisieren. Jörg Iwer, der Dirigent, hat alles noch mal für das Orchester mit dem wir zusammengearbeitet haben bearbeitet. Mit der Technik bzw. der Firma die das Ganze aufnimmt mussten wir uns auch erst vertraut machen, um alles zusammen zu koordinieren. Also es sind einige Dinge, die da eine Rolle spielten und ich denke im Endeffekt haben wir das ganz gut geschafft. Wir waren auch ganz froh, wie wir endlich fertig waren und für unsere Fans bzw. das Volk von Berlin spielen durften und als wir dann später gesehen haben, dass die DVD qualitativ hochwertig geworden ist, ist uns ein Stein vom Herzen gefallen.

CDstarts.de: Also sehr wohl mehr Aufwand als nur im Studio?

Castus: Ja ja, es war eine richtige Herausforderung. Wenn man so etwas selber schreibt bzw. an der Partitur sitzt und es dann im Studio einspielt, dann ist es auch sehr kompliziert gerade bei so einem bombastischen Werk. Wir hatten großen technischen Aufwand im Studio – etwa über 300 Spuren, die aufgenommen und Computer, die synchronisiert wurden – wir sind sozusagen an die Grenze des Möglichen gegangen und beim nächsten Mal wird vielleicht noch mehr möglich sein. Ab August wird an Cantus Buranus 2 gearbeitet, da werden wir dann sehen, was diesmal die Grenzen sind. Schließlich sind wir dafür bekannt, dass wir ständig etwas verrücktes machen.

CDstarts.de: Wieso habt Ihr euch gerade an den Stoff der Carmina Burana gewagt? Wolltet Ihr dem Ganzen euren eigenen Stempel aufdrücken oder habt Ihr versucht eine berühmtere Version als die von Carl Orff abzuliefern?

Castus: Erstens ist es so, dass Prinz Luitpold von Bayern Corvus Corax gefragt hat ob wir nicht für sein Ritterturnier eine Hymne schreiben wollen. Wir haben dann gedacht, dass das nicht so einfach geht, dass Corvus Corax nur eine Hymne schreibt, da muss noch ein großer Klangkörper mit dazu. Dieser große Klangkörper ist ein symphonisches Orchester und 2 Chöre gewesen. Als „Hymnus cantica“ fertig war, wussten wir schon, dass wird nicht das einzige bleiben und da der Text aus der Carmina Burana stammte dachten wir uns, wir hängen da noch mehr dran. Seit dem Beginn der Arbeiten an „Cantus Buranus“ traten verschiedene Leute an uns heran und meinten ob wir nicht Angst hätten mit der Version von Carl Orff verglichen zu werden und wir sagten uns nur „Nein, gerade jetzt erst recht, weil die Carmina Burana ist nicht von Carl Orff, sondern eben eine mittelalterliche Liedersammlung.“ Uns ist eben sehr wichtig, dass die Leute inzwischen wissen, dass die Carmina Burana ein mittelalterliches Buch bzw. ein Werk ist und selbst Carl Orff nur Texte daraus genommen und neu vertont hat, so wie wir es jetzt auch getan haben.

CDstarts.de: War es schwer die mittelalterlichen Instrumente mit den heutzutage geläufigen, klassischen zu verbinden?

Castus: Nun ja, mit Tanzwut haben wir schon damit begonnen mittelalterliche Instrumente in einen modernen Kontext zu packen, das gab es ja vorher auch nicht. Als Corvus Corax sind wir ohnehin Vorreiter auf diesem Gebiet und wir sind froh eine gesamte Szene damit beeinflusst zu haben und als alte Hasen haben wir jetzt immer mehr Ideen wie man so etwas bearbeiten kann. Es ist eben eine Herausforderung und uns hat es großen Spaß gemacht diese einfachen mittelalterlichen Instrumente nutzen zu können und dann etwas zu schreiben wo ein komplettes Orchester zusammen mit Dudelsäcken spielen kann. Diese Sache dann live zu spielen war traumhaft.

CDstarts.de: Ihr verwendet zum größten Teil selbstgebaute Instrumente. Habt Ihr nicht manchmal Angst, dass ein Instrument unvorhergesehen einen Fehler aufweist, der dann aufgrund der Einzigartigkeit nicht so schnell repariert werden kann oder habt Ihr immer ausreichend Ersatzteile bzw. –Instrumente zur Hand?

Castus: Wim, unser Instrumentenbauer, repariert so etwas, wenn er kann, gleich vor Ort. Er hat sozusagen immer einen Instrumentenmedizinkoffer dabei, den er benutzt wenn z.B. ein Rohrblatt kaputt geht oder etwas bricht. Wenn etwas Gröberes passiert haben wir auch Ersatzinstrumente da. Wir hatten einmal einen sehr bösen Unfall auf der Autobahn, da war natürlich sehr viel weg. Die nächsten Konzerte wurden dann in Frage gestellt, wir haben aber alles super auf die Reihe gekriegt. Das ist halt unsere Einzigartigkeit und davon leben wir auch. Es ist vor allem sehr wichtig, dass wir mit unseren Instrumenten sehr sorgfältig umgehen, aber die Dudelsäcke z.B. sind so robust gebaut, da kann fast gar nichts sein. Wenn bei einer Trommel mal ein Fell reißt, na gut, den Ersatz haben wir dann. Passiert so etwas bei einem Konzert muss improvisiert werden, aber nach einen Konzert richten wir alles so her wie es vorher war. Es ist auch so, dass jeder mehrere Instrumente spielen kann und wenn mal eins kaputt geht nimmt dieser halt ein anderes zur Hand. Da sind wir dann flexibel.

CDstarts.de: Auf der DVD zu „Cantus Buranus“ sieht man wie Ihr mit einer Quadriga auf die Bühne kutschiert werdet. Von wem stammt dieser nette Einfall?

Castus: Puh, das kann ich im Nachhinein gar nicht mehr so genau sagen. Die Idee stammte auf jeden Fall von uns selber, aber von wem genau kann ich dir jetzt nicht sagen. Auf dem Brandenburger Tor steht oben eine Quadriga und wir wollten in unserer Stadt, wenn wir auf der Museumsinsel spielen einfach zeigen „Wir sind Berliner“ und fahren deswegen mit einer Quadriga ein und ja, den Leuten hat es gefallen. (lacht)

CDstarts.de: Hattet Ihr eigentlich Angst die hohen Erwartungen des Publikums nicht zu erfüllen oder wart Ihr sicher, dass alle nach diesem Spektakel vollkommen zufrieden nach Hause gehen werden, auch weil das Studiowerk schon auf dermaßen positive Resonanz gestoßen ist?

Castus: Wir hatten nicht Angst, dass die Leute das Ganze nicht annehmen, sondern das Pannen passieren - das beim Orchester oder technisch etwas nicht funktioniert – das die Show bzw. die Musik funktioniert, das wissen wir ja. Da sind wir überzeugt von uns, auch weil wir es schon am Wacken Open Air mit großen Erfolg aufgeführt haben. Der größte Unsicherheitsfaktor war eben die Technik. Wir haben schließlich sehr lange dafür geprobt, da sind wir Profis, so was ziehen wir durch. Aber bei 171 Leuten auf der Bühne und dann mit soviel Technik dahinter, da kann schon leicht was passieren, aber es hat alles funktioniert.

CDstarts.de: Was ging Euch kurz vor Betreten der Bühne durch den Kopf?

Castus: Wir hatten sicherlich Lampenfieber, aber das steckt man weg, geht auf die Bühne und spielt. Man macht das wofür man wochenlang gearbeitet hat. Wenn das alles so dramatisch wäre, dann bräuchte man es auch nicht machen. Sollte es für einen selber so schlimm sein, dann sollte man es besser lassen. Wir machen es eben, weil wir es machen wollen. Nachdem wir mit dem Orchester ein paar Mal geprobt haben und die Voraufführung auch gut und reibungslos über die Bühne ging, waren wir uns sicher, dass es klappt.

CDstarts.de: Wie fühlt man sich wenn man liest das Leute extra aus Amerika anreisen um eure Show zu sehen?

Castus: Großartig fühlen wir uns und hoffen natürlich, dass wir zusammen mit unseren Fans und internationalen Bookingfirmen „Cantus Buranus“ zukünftig auch in Amerika aufführen können. Ich habe viele Freunde drüben in Amerika, die würden es gerne sehen, aber können nicht. Wir versuchen auch unsere eigenen Träume zu verwirklichen, wie z.B. den mit dem Auftritt auf der Museumsinsel. Es ist schön, wenn man mit Leuten teilen kann, deswegen wollen wir versuchen in Australien, Mexiko, Amerika, Japan, Kanada u.s.w. aufzutreten. Alles schafft man natürlich nicht in seinem Leben, aber ein paar Dinge müssen schon drin sein.

CDstarts.de: Stichwort „Träume“ – Was kann man in naher Zukunft von Corvus Corax erwarten?

Castus: Wir haben jetzt einmal ein neues Tanzwut Album, das am 7. April kommt, mit dem wir dann ab vierten Mai auch auf Tour sein werden. Jetzt wo wir mit Tanzwut fertig sind, sind wir wieder mit Corvus Corax, also mit dem „normalen“ mittelalterlichen Ensemble, im Studio und arbeiten an einer Zeitreise bzw. einer Reise durch ganz Europa und Asien – das wird sicherlich eine ganz schöne CD werden. Im Sommer in Kaltenberg werden wir dann dieses neue Werk das erste Mal aufführen. Wenn das dann alles fertig ist setzen wir uns an Cantus Buranus 2.

CDstarts.de: Vielen Dank, dass Du Dir für CDstarts.de Zeit genommen hast und viel Erfolg mit den weiteren Projekten von Corvus Corax und Tanzwut!

Castus: Gern geschehen!

Das Interview führte Albert Ranner

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