Mia. im Gespräch mit CDstarts

  • 16.06.2006
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Mia. im Gespräch mit CDstarts - News
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Neben dem deutschsprachigen Raum haben Mia. mittlerweile auch Südkorea und Japan mit ihrer Musik infiziert.

Während ihr als Geheimtipp im Berliner Raum gestartet seid, hat sich vor allem dank des letzten Albums „Stille Post“ und den Singles „Hungriges Herz“ sowie „Was Es Ist“ so einiges an eurem Bekanntheitsgrad geändert, denn neben dem deutschsprachigen Raum habt ihr mittlerweile auch Südkorea und Japan mit eurer Musik infiziert.

Doch fangen wir einmal ganz vorne an: Mit welcher Intention habt ihr Mia ins Leben gerufen, was war für euch der Antrieb und gab es evtl. einen Moment, an dem ihr wusstet „das ist genau unser Ding, wir blicken jetzt nur noch nach vorne und machen mit Mia weiter“?

So eine Bandgründung an sich, ist eine unspektakuläre Sache. Man trifft sich im Proberaum weil man das Bedürfnis oder den Drang verspürt, sich mit Hilfe von Musik ausdrücken zu wollen. So war es auch bei Mia. Das ganze „funktioniert“ dann mit wechselndem Erfolg und wechselnder Besetzung. - Wie bei uns. Wenn man ein bisschen Glück hat, ergibt sich aus diesen vielen Konstellationen die eine, auf die man schon lange gewartet hat. Das ist bei Mia. sehr früh passiert und von diesem Moment an wird die gemeinsame Idee größer, sie lässt einen nicht mehr los.

Wie habt ihr die gespaltenen Meinungen besonders zu eurem Debüt „Hieb & Stichfest“ wahrgenommen? Haben sie euch gegebenenfalls auf eurem weiteren Weg beeinflusst?

Wer sich auf eine Bühne stellt, um etwas von sich preiszugeben, macht sich angreifbar. Wir glauben, dass sowohl in der Zustimmung, als auch in der Ablehnung etwas Gutes steckt. Wir waren nach unserem ersten Album generell erst einmal froh darüber, überhaupt wahrgenommen zu werden und Meinungen zu produzieren. Grossen Einfluss auf unsere Arbeit hatte, oder hat dieser Umstand jedoch nicht. Wenn es darum geht Songs zu schreiben, helfen uns Vorsätze kaum weiter, wir sind dann sehr „bei uns“.

Überhaupt sind gespaltene Meinungen in Form von höchst emotionalen Liebesbeweisen eurer Fans sowie Hasstiraden von der anderen Seite keine Seltenheit im Kontext von Mia. Nachdem „Was Es Ist“ erschien, bei dem ihr die nationale Identität hinterfragt, mehrten sich die Aktivitäten linker Gruppen gegen euch. Welchen politischen Background vertretet ihr und wurmt es euch nicht, wenn bei einer NPD-Demo „Was Es Ist“ als Marschmusik erklingt? Kann einen so etwas kalt lassen?

Obwohl wir fünf unterschiedliche Menschen sind und nicht alle das Gleiche denken, kann ich, ohne jemandem in der Band zu nahe zu treten, behaupten, dass wir links ticken. Wir engagieren uns unter anderem für Pro-Asyl, Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage, fairen Handel und einiges mehr. Die oben genannten fünf verschiedenen Meinungen haben bei der Debatte um „was es ist“ schon bandintern für genügend Gesprächsstoff gesorgt. Wir konnten uns aber auf die von Dir richtig interpretierte Fragestellung einigen. Um es also (lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig) auch an dieser Stelle in aller Deutlichkeit zu sagen: Es ging uns darum, herauszufinden, ob vor dem beispiellosen Hintergrund unserer Geschichte positive Bezüge zu Deutschland möglich und / oder nötig sind. Geschichte hört nie auf, wer sie leugnet oder verdreht, betrügt sich selbst. Uns erscheint relevant, zu hinterfragen, welche Verantwortung sich für uns aus dieser Historie ergibt.

Außerdem fand eine Werte-Diskussion statt, in deren Verlauf besonders ein Begriff wie „Toleranz“ heftig besprochen worden ist. Über Toleranz lässt es sich vortrefflich streiten, denn es ist ein sehr dehnbarer Wert und endet genau bei denen, die andere Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Religion, ihrer Sexualität, oder ihres Geschlechts diskriminieren oder verfolgen. All diese Dinge konnte man von Anfang an auf unserer Internetseite nachlesen, oder in persönlichen Gesprächen erfahren. Wenn die NPD nun also meint, eine Band wie uns für sich benutzen zu können, lässt dies einen Rückschluss auf die Ignoranz und Skrupellosigkeit einer Organisation zu, die man mit allen gesellschaftlichen, juristischen und politischen Mitteln aus dem öffentlichen Raum kegeln sollte. Wir sind mit dieser negativen Erfahrung im Hinblick auf die Verwertung unserer Musik bei Veranstaltungen von Leuten, mit denen wir nichts zu tun haben wollen, nicht allein. Wir haben, wie auch andere Bands deren Musik auf gleiche Art benutzt wird, genügend öffentliche Gelegenheiten um unmissverständlich klarzumachen, dass uns dieser Missbrauch aufregt.

Wenn man sich mit Mia beschäftigt, kommt man an dem Label R.O.T. nicht vorbei. Es ist quasi omnipräsent in der Biographie Mias. Welche Verbindung besteht zwischen euch und R.O.T., welches euch seit den Anfängen in 1997 begleitet? Was macht den Reiz aus, mit R.O.T. so eng zusammen zu arbeiten, immerhin war es auch direkt mit der Entstehung eures am 21.07.06 erscheinenden Albums „Zirkus“ verbandelt?

R.O.T sind Label und Management in einem. Eine solche, zugegeben etwas zentralistische Konstruktion, funktioniert nur mit der entsprechenden Portion Ehrlichkeit, Vertrauen und Spaß. Es gibt viele Dinge, die wir als Band zu fünft entscheiden, aber einige andere Entscheidungen treffen wir gemeinsam mit R.O.T. Wir sind dann maximal acht Personen und innerhalb dieses Personenkreises fallen ALLE künstlerischen und organisatorischen Entscheidungen die anstehen. Das ist anstrengend, demokratisch, chaotisch und manchmal lustig.

Wie man liest, habt ihr auf „Zirkus“ weiter eure Musik modifiziert, indem ihr den elektronischen Anteil zugunsten von Vibraphon, Glockenspiel, Trompete und weiteren Beigaben eingeschränkt habt. Es scheint so, als sei der Weg zu neuen Ufern, zu immer neuen Herausforderungen das Ziel von Mia. Wird diese Suche euch weiter begleiten und wie viel trägt sie zur Leidenschaft eures Musikerdaseins bei?

Die Suche nach neuen Ausdrucksformen ist unser ständiger Begleiter. Für uns ist die Veränderung eine der Grundvoraussetzungen zum Musik machen und damit ein wichtiges Element unserer Arbeit

Wo seht ihr das kommende Album „Zirkus“ zwischen euren zwei anderen Longplayern? Markiert es gar einen Wendepunkt zu einem klassischeren Instrumentarium, weg vom einstigen Electro-Punk? Mit welchem Gefühl blickt ihr auf die Aufnahmen und den Entstehungsprozess zurück?

„Zirkus“ soll ergänzen. Wenn man die drei Alben aufmerksam hört, wird man einen Verlauf erkennen können. Es gibt Gemeinsamkeiten und Unterschiede auf allen dreien. Keine Platte soll die andere infrage stellen oder relativieren. Alles gehört zusammen. Wir haben fast neun Monate an „Zirkus“ gearbeitet, wir haben während dieser Zeit nichts Anderes getan, wir wollten dem Album Aufmerksamkeit und Zeit geben. Nhoah, unser Produzent und Teil von R.O.T, wird im Laufe der Produktion zum sechsten Bandmitglied. Wir schreiben zu Hause, im Proberaum, oder im Studio. Manchmal verliert man den Überblick, manchmal ist alles ganz toll, manchmal nicht. So fahren wir viele Monate mit dieser Berg und Talbahn durch die Gegend. Wir sind einerseits total im Bilde weil keiner so richtig loslassen kann, andererseits steht man am Ende vor diesem Album und fragt sich, was das eigentlich geworden ist...

Wie sehen eure Empfindungen im Vorfeld zur Veröffentlichung von „Zirkus“ aus, könnt ihr es kaum erwarten, bis die Platte in den Regalen steht oder geht ihr die Sache mittlerweile eher entspannt an?

Natürlich sind wir aufgeregt, aber von Ungeduld würde ich nicht sprechen. Es gibt noch so viel zu entscheiden, zum Beispiel wird erst in dieser Woche das Artwork fertig. Die Zeit bis zum Release vergeht wie im Flug, wir haben den Kopf voll und irgendwann kommt das Ding raus. Peng!

Was wird uns tournee- und festivalmäßig erwarten? Wird sich etwas an eurer Bühnenperformance ändern, werdet ihr gar zusätzliche Musiker mitnehmen, um die vielseitige Instrumentierung des heiß erwarteten Albums direkter umzusetzen?

Die Tour zum Album wird im November beginnen, davor sind wir auf einigen Festivals zu sehen (Popkick in Berlin, Melt!, Sonnemondundsterne und vieles mehr...) Auf Miarockt findet man alle wichtigen Termine. Die Tour wird bunt, aufregend, speziell. Wir verraten noch nix! Komm rein und let yourself verzaubern!

Das Interview führte Daniel Leckert

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