Benjamin Donath (Neaera)

  • 19.02.2007
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Benjamin Donath (Neaera) - News
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CDstarts.de sprach in Wien mit dem Bassisten der Melodic Death Metal Band Neaera.

Mit einem gut gelaunten Benjamin Donath, seines Zeichens Bassist bei der Melodic Death Metal Band Neaera, durfte CDstarts.de ein wenig über das vergangene Jahr, die Zukunft, einige Bauernweisheiten und den neuen, noch namenlosen Nachfolger zu „Let the tempest come“ (04/2006) plaudern, bevor die Deutschen dem Wiener Planet Music zeigten, was eine Harke ist und wie eine geile Show auszusehen hat.

CDstarts.de: Vor etwa einem Monat war Jahreswechsel. Gab es für Euch 2006 ein einschneidendes Ereignis, an das ihr euch noch immer gerne erinnert?

Benjamin: Ja sicher, da gab’s einige Sachen. Ich denke mal angefangen hat es beim letzten Release. Das war etwas, das sozusagen das Jahr für uns als Band eingeläutet hat. Dann kam die Tour mit Agony Scene und Caliban, das war sicherlich auch so eine Art Meilenstein und hat unsere Freundschaft mit Caliban noch mehr gefestigt und natürlich Spaß gemacht. Ansonsten unsere Auftritte auf Festivals wie Summer Breeze oder Summer Blast, wo wir ab dem zweiten Album gemerkt haben, dass es anfängt, das die Leute immer mehr wissen, wer man ist und man selber langsam weiß wo schon eine Fanbase existiert. Das waren so die Erfahrungen, die einschneidend waren. Jetzt natürlich die Tour mit Kataklysm und obwohl das 2007 ist, springen wir trotzdem mal ins neue Jahr hinein. Man merkt schon, dass unser Bekanntheitsgrad stetig wächst und das ist sehr angenehm und freut uns außerdem, dass sich so viele Leute mit unserer Mucke identifizieren können.

CDstarts.de: Gab es auch irgendetwas Negatives?

Benjamin: Eigentlich nicht. Wir haben nie wirklich die größten Ansprüche gestellt und uns gibt’s ja noch nicht so lange als Band und dementsprechend gibt es von unserer Seite auch keine Erwartungshaltung oder Forderung. Wir machen einfach Mucke und wenn sie ankommt, kommt sie an. Im Grunde gibt es da nichts, was negativ gewesen wäre, abgesehen von der einen oder anderen Show, wo wir sagen, die war jetzt unbedingt nicht so prall oder da haben die Leute nicht so super reagiert wo es vielleicht woanders der Fall war. Es gibt eigentlich generell nichts negatives, was uns sauer aufgestoßen ist.

CDstarts.de: Trotz eurer bisherigen, recht kurzen Lebensdauer legt ihr aber schon einen recht flotten Veröffentlichungsrhythmus vor. Zuerst „The rising tide of oblivion“ und just ein Jahr danach „Let the tempest come“. Wollt ihr dieses Tempo beibehalten?

Benjamin: Das ist einfach unsere Art zu arbeiten und wir wollen uns nicht allzu lange mit Sachen aufhalten, die sich für uns gut anfühlen. Wenn du in den Proberaum gehst, dann hast du Ideen, ballerst die hin und baust die Songs zusammen. Bei uns ist das einfach so: Wenn es knallt, dann knallts und dann muss man nicht mehr großartig irgendwie etwas verändern oder besser machen. Wir sind einfach sehr spontan und ich glaube daran liegt auch diese schnelle Veröffentlichungsfolge. Wir planen auch, das so fortzusetzen und unser nächstes Release im Herbst hinauszufeuern, aber ich denke, dass ist auch notwendig um sich vor allem als neue Band ein bisschen zu etablieren.

CDstarts.de: Wie geht das denn dann vonstatten? Legt ihr zuerst die Titel fest und baut erst dann die Musik herum oder macht ihr es umgekehrt? Weil wenn ich mir „The crimson void“ von der letzten Platte anhöre, dann fühlt man sich definitiv so, als würde man in die Leere gezogen werden.

Benjamin: Es ist nicht so, dass wir zuerst mit fertigen Titeln ins Studio gehen. Stephan (Keller) und Tobi (Buck), unsere beiden Gitarristen, Sebastian, der Schlagzeuger arrangieren die Riffs und schreiben die Songs. Dann schreiben wir parallel Texte und kucken, was sich nachher gut zusammenfügen lässt. Wenn ein Text dann eben von der Gesangsrhythmik, vom Versmaß und so weiter gut zur Musik passt, wird er genommen dafür. Also Musik und Lyrics entstehen unabhängig voneinander und werden nachher zusammengefügt. Und bei einem abstrakten Track wie „The crimson void“ passt das dann einfach so einen Titel zu nehmen.

CDstarts.de: Auf der neuen Scheibe sind mir mehrere Sprüche, ich nenne sie jetzt mal Bauernweisheiten, aufgefallen wie z.B. „Sometimes you must embrace the darkness when you seek light” oder „If you stare into the void for too long / The void will stare into you“. Wollt ihr damit ein Markenzeichen von euch etablieren oder entsteht so etwas auf zufälliger Basis?

Benjamin: Nun ja, das ist einfach so entstanden. Wir schreiben natürlich größtenteils noch Lieder über politische Themen, da man so etwas in der heutigen Zeit einfach nicht ignorieren kann. Ich finde vor allem, dass man als Musikausübender ein Ventil hat, das man nutzen sollte. Aber so wie es in jeden Song eine Balance zwischen Melodie und Härte geben muss, gibt es bei uns auch ein Gleichgewicht zwischen politischen Themen und persönlichen oder abstrakten. Und wie beim Zusammenfügen von Melodie und Text ordnen sich dann eben auch solche Elemente dem Ganzen unter.

CDstarts.de: Wollt ihr weiter im Genre Melodic Death Metal bleiben oder gibt es in ferner Zukunft schon Pläne über eine Neuausrichtung?

Benjamin: Also Melodic Death ist der Begriff mit dem sich unser Sound am besten zusammenfassen lässt, außer du ziehst jetzt deinen Metalcore-Joker aus dem Ärmel.

CDstarts.de: Habe ich nicht vor, nein.

Benjamin: O.K. Also wir haben immer gesagt, wir versuchen so viele experimentelle Einflüsse songdienlich zu verarbeiten wie es geht. Das war eigentlich immer unsere Maxime. Ich kann dir schon verraten, dass die nächste Platte tendenziell eher etwas langsamer und walzender sein wird und weniger auf die Tube gedrückt wird. Bei einem Großteil der neuen Songs, 5 sind bereits fertig, werden wir auf jeden Fall weiter unseren Weg gehen.

CDstarts.de: Zum Abschluss würde ich noch gerne von Dir wissen, wie ihr auf die Idee gekommen seid einem Song den Titel „I love the world“ zu geben? Das ist hinsichtlich der aggressiven und brutalen Texte gleich gelagerter Bands eine herausstechende Auffälligkeit.

Benjamin: Das soll einfach unsere Einstellung wiederspiegeln. Wir wollen eben nicht irgendwelche Klischees bedienen und in denselben 08/15-Schemen herumstochern. Diese ganzen ausgelutschten Phrasen sind nach über 1.000 Mal doch einfach zum Kotzen. Wir versuchen daher einen Kontrast zu liefern und versuchen das Ganze auch mit unseren Gefühlsebenen in Gleichklang zu bringen und Gegensätze einzubringen. In etwa so wie bei deinem vorher angesprochenen Songzitat „Sometimes you must embrace the darkness when you seek light”. Da geht es ja auch um hell und dunkel. Und ständig nur über Hass und Elend zu singen, ist irgendwie öde.

CDstarts.de: Vielen Dank, Benjamin!

Benjamin: Bis später bei der Bühne!

Das Interview führte Albert Ranner

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