Tele im Gespräch mit CDstarts

  • 25.02.2007
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Tele im Gespräch mit CDstarts - News
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Gerade noch bei Stefan Raabs Nachwuchs-Stelldichein Bundesvision Song Contest im Einsatz gewesen, stehen die Wahl-Berliner von Tele nun CDstarts.de Rede und Antwort.

Gerade noch bei Stefan Raabs Nachwuchs-Stelldichein Bundesvision Song Contest im Einsatz gewesen, stehen die Wahl-Berliner von Tele nun CDstarts.de Rede und Antwort.

CDstarts.de: Im zurückliegenden Sommer 2006 seid ihr für das Goethe-Institut durch sechs afrikanische Staaten getourt. Da stellt sich einem natürlich die Frage nach den Eindrücken, wenn man diese überhaupt in einigen Sätzen formulieren kann. Aber es wäre schön, wenn ihr mal erzählt, was euch am meisten beeindruckt hat und wie der Kontakt zu den Einheimischen war.

Tobias Rodäbel: Natürlich lassen sich die in Afrika gewonnenen Eindrücke nicht in einigen wenigen Sätzen formulieren. Deshalb haben wir ja auch ein Tour-Tagebuch mit vielen Bildern auf unserer Homepage http://www.telemusic.de veröffentlicht.

Es war großartig, wichtig für die Band und hoffentlich auch für die Menschen, denen wir dort begegnet sind. Wir vermissen Harare, Dudus Garten, Zanzibar, den namibischen Nachthimmel, das französische Essen in Antananarivo, die Taxifahrer zwischen dem Lavagestein auf Moroni, eine Westerngitarre, die es immerhin von dort bis Heidelberg geschafft haben soll, den "üblen" Jazzschuppen in Maputo.

CDstarts.de: Wie weit war euer neues Album „Wir brauchen nichts“ denn fortgeschritten, bis ihr in afrikanische Gefilde aufgebrochen seid?

Tobi: Eigentlich wollten wir fertig sein, wenn wir den Flieger in die große weite Welt besteigen. Und eigentlich wäre der Hype um unser Album jetzt schon fast wieder vorbei gewesen, wenn wir unser Planungsziel erreicht hätten. Haben wir nicht. Und so dürfen wir alle noch gespannt sein, was jetzt wohl kommt. Der Januar 2006 war unsere kreativste Phase. Wir haben uns für einen Monat in ein riesengroßes Studio (Planet Roc, Berlin Köpenick) eingemietet, um dort keinen Ton aufzunehmen. Das war auch genau so gedacht. Dort sind etwa 30 Stücke bzw. Stückfragmente entstanden, von denen es nicht mal die Hälfte auf das neue Album geschafft hat. Allerdings darf ich verraten, dass die andere Hälfte nicht minder phantastisch ist. Wir waren nur durch die ökonomischen Umstände gezwungen, kein Doppelalbum machen zu können. Wenn wir erst mal so groß sind wie die Red Hot Chili Peppers oder das Endsechziger-70er-Revival noch mal voll durchschlägt, werden wir das nachholen.

CDstarts.de: In den Texten auf „Wir brauchen nichts“ fällt auf, dass sie teilweise deutlich zweifelnder bzw. kritischer gegenüber der modernen, schnelllebigen Welt sind, als auf den beiden Album-Vorgängern zu hören war. Als Beispiel fällt mir besonders „Fieber“ auf. Wie kam es dazu und war das von euch so geplant?

Francesco Wilking: Planen kann ich Texte nicht, aber es gibt verschiedene Impulse, die das Schreiben auslösen können. auch wenn der fehlende zeitliche Abstand mir gebietet es nicht zu tun, stelle ich die Vermutung an, dass es diesmal vor allem meine Augen waren, die mir Zeile für Zeile diktiert haben.

CDstarts.de: Viele Stücke auf „Wir brauchen nichts“ entstanden in kompletter Eigenregie. Was hat euch dazu bewegt die Songs „Fieber“, „Hans“ und „Rio de Janeiro“ trotzdem mit Patrick Majer (u.a. Wir sind Helden) aufzunehmen und auch von ihm co-produzieren zu lassen?

Tobi: Vor der Afrikareise hatten wir den kühnen Plan, das Album fertig in den Kasten zu bekommen. Hierfür holten wir uns Unterstützung von Patrick Majer, der ja schon unser letztes Album gemischt hatte. „Fieber“, „Hans“, „Rio de Janeiro“ wurden im März 2006 in seinem Studio aufgenommen. Es hätten auch andere Stücke sein können. Aber mit denen haben wir eben angefangen. Bald merkten wir und vor allem Patrick, dass sich der Telekosmos nicht in zwei Studiomonate pressen lässt. Und so haben wir den Löwenanteil der Platte nach Afrika in unserem eigenen Studio aufgenommen.

CDstarts.de: Ihr seid vor einigen Jahren vom beschaulichen, idyllischen Freiburg in die pulsierende Hauptstadt Berlin gezogen und habt euch dort zusammen mit der Band Geschmeido wieder das Mixdiemotions-Studio eingerichtet. Wie sah es damals mit einem „Kulturschock“ aus? Gibt es noch Verbindungen in die Heimat?

Francesco: Wir haben uns im Exil alle eherne Banden um die Herzen legen lassen, dass sie nicht zerspringen. Die badische Sonne scheint nur noch schwach aus unseren Augen. Die Kulturschocks haben wir hinter uns. hier in Berlin ditscht man morgens die Bockwurst in den "Kaffe", wettert über alles, was man nicht selbst verbockt hat und sagt Schrippen zu Brötchen, mit denen man kleine Tiere erlegen kann. Berlin macht uns hart für die Zeit des Ruhmes und das Vergessen danach. Nach wie vor fahren wir gerne in den Süden, aber gehen dort Fragen aus dem Weg (Wie, du machst immer noch Musik?).

CDstarts.de: Die Kooperation mit Geschmeido gibt es schon seit geraumer Zeit. Sind es die persönlichen oder die musikalischen Verbindungen, die dafür verantwortlich sind oder einfach eine perfekte Kombination, die noch ewig andauern wird?

Francesco: Die Freundschaft mit Geschmeido geht zurück auf die goldenen Lörracher Tage in den schmutzigen 90ern, als unsere Bands noch anders hießen und Pavement sowie The Sea and Cake uns von einer komplizierten Welt jenseits des Abiturs erzählten. Diese Freundschaft muss mindestens bis immer halten, sonst gibt es keine Musikerpolizei mehr im Studio und keine Mundharmonikas mehr auf Tele-Platten.

CDstarts.de: Francesco, wer Dich schon live gesehen hat, meint es mit einem hauptberuflichen Sprachkünstler aus dem HipHop-Umfeld zu tun zu haben, so sehr spielst Du mit den Worten. Wann hast Du diese Gabe entdeckt und gibt es eventuell tatsächlich Verbindungen in die HipHop-Welt?

Francesco: Die Verbindung in diese Welt kommt von einem Stapel Platten den ich mir in den Jahren 96 bis 00 zugelegt habe. Eine Zeit lang gab mir HipHop die Kraft, die mir morgens beim Schuhebinden half. Als ich dann alles alleine konnte und aus einem lustigen Typ ein eifersüchtiges Monster geworden war, verließ ich ihn. Bei Tele darf ich machen, was ich will. Aber ich mag diese Art von Musik immer noch. Wenn alles klappt, mache ich dieses Jahr eine Rapplatte mit einem Kumpel aus dem fiesen Berliner Gleimviertel.

CDstarts.de: Während euer Debüt „Tausend und ein Verdacht“ noch ohne Label veröffentlicht wurde, später bei Tapete Records wieder herausgebracht wurde und euer letzter Longplayer „Wovon sollen wir leben“ bei Universal erschien, seid ihr nun beim Branchenriesen geblieben. War das in euren Augen eine notwendige Steigerung, um mehr Leute zu erreichen und vermisst ihr die familiäre Stimmung (wie bei Tapete) nicht auch ein wenig?

Tobi: Ich weiß nicht, ob wir mehr, weniger, die richtigen oder die falschen Menschen erreichen, weil wir bei Universal sind. Wir haben viel Post für die Leute da draußen. Und Universal hat dicke Postautos. Manchmal sind Fahrradkuriere die bessere Wahl. Das alles spielt bald keine so große Rolle mehr, wenn alle nur noch Emails schreiben.

CDstarts.de: Wir sagen Danke für die Zeit, die ihr euch für dieses Interview genommen habt und wünschen alles Gute für die Zukunft als Tele!

Das Interview führte Daniel Leckert

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