Scott Matthew Live: Esslingen, 25.11.2008, Villa Merkel

  • 27.11.2008
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Scott Matthew - Live: Esslingen, 25.11.2008, Villa Merkel - News
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Ein 80-minütiges Konzerterlebnis, das unter die Haut ging.

Die Villa Merkel (eine ehemalige Unternehmervilla) in Esslingen wird seit den 70er Jahren als Galerie der Stadt Esslingen am Neckar genutzt. Hin und wieder tritt sie als Veranstaltungsort für Konzerte unterschiedlichster Art hervor. Nun hatte der gebürtige Australier Scott Matthew, der jetzt in New York lebt, eine überschaubare Menschenschar (ca. 70 Besucher) in die Räumlichkeiten, die im Stil der Neorenaissance gestaltet sind, gelockt. Der melancholische Singer/Songwriter lieferte sozusagen den Soundtrack zum November ab. Ein Soundtrack (zum Kinofilm „Shortbus“ von John Cameron Mitchell) war es auch, der Matthew die erste größere Aufmerksamkeit zukommen ließ. Einige dieser Songs spielte er für sein selbst betiteltes wundervolles Debütalbum (2008 auf Glitterhouse Records erschienen) neu ein. Jenes Werk stand dann auch im Mittelpunkt seines charismatischen Live-Auftritts, gleichzeitig gab Scott Matthew mit drei Songs einen Ausblick auf sein wahrscheinlich im Februar 2009 erscheinendes Nachfolge-Album und spielte als Zugabe drei Cover-Versionen.

Vier dunkel gekleidete Menschen betraten um 20:20 Uhr die Bühne des kargen, aber stimmungs- und stilvollen Ambiente der Villa Merkel. Neben Piano (Marisol Martinez), E-Bass, Daumenklavier (Eugene Lemcio) und Cello (Pere Carrascosa), zog naturgemäß der Ukulele spielende Singer/Songwriter Scott Matthew das Hauptaugenmerk auf sich. Mit einem ergreifenden „Surgery“ begann ein Konzert, das die vier Musiker im Sitzen bestritten, gleichfalls verbrachte der Großteil des Publikums in sitzender Position, das aber allem anderem als einem gesetzten Konzert lauschen durfte. Trotz der melancholischen, manchmal auch traurigen Songs, versprühten diese eine Lebendigkeit und inspirierende Herzenswärme, die voller Trost und Wahrhaftigkeit ist. Der Künstler fühlte sich auch sichtlich wohl und erteilte dem „Beautiful Room“ seine Wertschätzung. Er unterstrich seine Kompositionen mit entsprechend dezenter Gestik, wiegte den Kopf, wobei ihm das lange Deckhaar wie ein schwarzer Vorhang vor die Augen fiel und in Verbindung mit seinem Vollbart oftmals die Gesichtszüge versteckte, nicht aber sein Innerstes, das er mit seiner begnadeten Stimme offenlegte, ohne den kleinsten Anflug von Selbstmitleid.

Ganz besonders trat dies in den dringlichen und eindringlichen Versionen von „Abandoned“, „Habit“, „In The End“, „Ballad Dear“ und „White Horse“ vom kommenden Album hervor. Inständig und vollkommen unpeinlich präsentierte Matthew auch das weihnachtliche „Silent Nights“ von seiner gleichnamigen 3-Song-EP. Nicht unerwähnt darf das sanft perlende Pianospiel bleiben, das sich mit einem der klassischen Musik zugewandten Cello und Scott Matthews bezauberndem Ukulelespiel verband, wobei der Bass seine Töne als nachtschwarzen Hintergrund malte. Hierin war es immer wieder Matthews seufzend-ätherischer, oftmals ins Falsett übergehender Gesang, seine einzigartige Stimme, die sein feinfühliges Songwriting live, sprich: voller Lebendigkeit zu berührenden Begegnungen mit seinem Publikum werden ließ.

Die Zugaben eingerechnet wurde man Teil eines 80-minütigen Konzerterlebnisses, das unter die Haut ging. Seine niemals weinerlichen, aber zum Weinen schönen Songs, die sich an die Seele schmiegen und das Herz wärmen, entfalteten im Ambiente der Villa Merkel zusätzliche Leuchtkraft. So ging ein gefühlvoller, intensiver Abend zu Ende, der noch lange in Erinnerung bleiben wird und die Vorfreude auf das Zweitwerk des Künstlers schürt.

Günter Ramsauer für CDstarts.de

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